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Der grandiose Zugspitzultratrail oder: Trail-Love forever

5 Kommentare

zut3Nachdem ich so viele Berichte gehört, Bilder und Videos förmlich aufgesaugt und die mir bekannten Trailläufer Löcher in den Bauch gefragt habe, war ziemlich schnell klar, dass mein erster richtiger Trailwettkampf und somit mein Sommerhighlight der Zugspitzultratrail werden musste, sicherheitshalber noch vorsichtig der Base-Lauf mit knapp 36 Kilometern und 1900 Metern Aufstieg.

Und schon beim Abschicken der Anmeldung machte sich ein Kribbeln breit und die Vorfreude war riesengross.

Mein Bergtraining im Vorfeld musste sich leider auf Berlins „höchste“ Erhebung, den Teufelsberg beschränken, der mit 120m nun wahrlich kein hoher Berg ist, doch ich japste und keuchte beim Aufstieg und ahnte kurz, was mich erwarten sollte. Dennoch – auch hier spürte ich die Vorfreude auf die Trails, die körperliche Herausforderung und das Erlebnis sebst.

Und ehe ich mich versah, rückte der Tag X näher und ich testete vorichtig, ob auch wirklich die Pflichtausrüstung, die vom Veranstalter vorgegeben war, und das war nicht wenig, in meinen minimalen Laufrucksack passen würde: Longtights, Regenjacke, Mütze, Handschuhe, Erste Hilfe-Pack, Rettungsdecke, Wasserflaschen…  Alles passte, bloß gut!! Da zahlte sich die hauchdünne und auf Origamigröße zu faltende Regenjacke von Salomon, auch gerne „Folie“ genannt, mal wieder aus… Es konnte losgehen.

zut packAm Freitag in Grainau angekommen versprach das Wetter noch nichts Gutes, es regnete, war sehr kühl und ich machte mir Gedanken, wie die Trails am nächsten Tag wohl aussehen würden. Aber es half ja nun nichts und der Wetterbericht versprach uns Besserung. Also schnell die Startnummer geholt und ab ins Festzelt zur Pastaparty, wo ich viele bekannte und auch neue Gesichter treffen konnte, teils so nervös wie ich, wie die sympathische Sonja von Run2Yoga,  teils jedoch so entspannt, als stünde ihnen ein kurzer Strassensprint bevor, letzteres Läufer von der Ultradistanz 100km. Wahnsinn.  Die Stimmung war gut und nachdem ich den Teller Pasta verschlungen hatte, düste ich frierend bei strömendem Regen ins warme und trockene Zimmer und konnte gar nicht glauben, dass am nächsten Tag noch die Sonne scheinen sollte.

zut13Am frühen Morgen waren die Sorgen verflogen. Der Himmel war blau, die Luft klar und wie immer vor einem Wettkampf konnte ich nur an das Marmeladenbrötchen denken, das ich runterbekommen musste. Schnell machte ich mich auf den Weg nach Grainau zur Bushaltestelle, wo uns Busse zur Startlinie des Basetrails nach Mittenwald fahren sollten. An dieser Stelle muss ich die unglaublich tolle Organisation des Veranstalters PlanB loben. Von den Informationsmails angefangen bis zur Startnummernvergabe, Zielankunft, den Verpflegungspunkten unterwegs (die ich später nocheinmal erwähnen muss), bis zur Abschlussparty: Alles war professionell und mit Herzblut organisiert. Das habe ich auch schon anders erlebt, deshalb Chapeau!

Im Startbereich gab es wie immer Warteschlangen vor den Toilettenhäuschen, natürlich bei den Frauen die längste, aber so konnte man noch ein wenig qasseln, scherzen und die Nervosität überspielen. Die Stimmung war schon jetzt unheimlich gut und ansteckend. Unsere Laufrucksäcke wurden auf die Vollständigkeit überprüft, dann konnten wir in die Startaufstellung. Schnell noch den mir bekannten und inzwischen liebgewonnenen Mitläufern Sonja, Wolfgang, Rebekka, Jennifer und Patrick Toitoitoi gewünscht und los ging´s. Flight-Modus auf on.

Wir düsten zunächst durch das Städtchen von Mittenwald zum Ortsrand, doch diesen ersten Kilometer habe ich kaum wahrgenommen. Die ersten Minuten eines Wettkampfes sind meist wie der Sprung ins kalte Wasser für mich. Atmen, sortieren: Ein Bein vor das andere setzen, Maty! Zügele Dich, nicht so schnell, eine 4:50-er Pace ist ein Witz, das sind keine Intervalle! Und vor Allem: Lass das dämliche Grinsen! Die Zuschauer mit ihren Kuhglocken rechts und links feuerten uns strahlend an und ich freute mich so auf die nächsten 35km…

Die ersten Meter abseits der Strasse kam es auch schon zum ersten großen Stau, denn ein enger Pfad ließ keine Überholung zu und die nächsten Minuten stampften wir im Wandertempo hintereinander . Ich hatte kurz im Hinterkopf die Worte von  Patrick, der mir dies prophezeite und deshalb gleich zu Beginn ein hohes Tempo anschlagen wollte, um diesen Stau zu umgehen. Aber hey, ich lief nicht auf Zeit, sondern auf Ankommen und so nutzte ich die Minuten für einen Smalltalk mit Läufern aus Japan, die extra für das Event angereist sind. Ich probierte mein Rest-Japanisch, und ja, es funktionierte noch…;-)Z1Bald löste sich das Feld jedoch auf und ich konnte endlich in meinen Rhythmus finden, laufen lassen, die Umgebung genießen. Noch zwickte Nichts und ich freute mich, dass mein linkes Knie, welches mir schon im Vorfeld Kummer bereitete und in den letzten Wochen keinen vernünftigen langen Lauf zuließ, ebenfalls im Flow war. Ehe ich mich versah, kamen wir an die für uns erste Verpflegungsstelle V7 und ich fummelte meinen Faltbecher aus dem Rucksack, der zum Pflichtprogramm des Veranstalters gehörte. Der Gedanke der Müllvermeidung dahinter war vorbildlich, allerdings war der Faltmechanismus irgendwie nicht  ausgereift, so dass ich die Jungs an zwei Verpflegungspunkten um einen neuen bitten musste, jedes Mal so um die sechs Einzelteile in der Hand. Wenn ich zurückblicke und mich an keinen anderen Läufer mit defektem Becher erinnere, muss ich allerdings schmunzeln, vielleicht war ich in der Aufregung einfach zu schusselig dafür. Egal, die Jungs waren sehr nett und tauschten mir den Becher kommentarlos gegen einen neuen um, und an den letzten Punkten füllte ich nur noch meine Flaschen, der Becher blieb im Sack 😉

Überhaupt, die Verpflegung… *Hach* Die muss einfach extra erwähnt werden, denn diese war grosse Klasse… Neben Wasser, Red Bull, elektrolytischen Getränken und meinem Favoriten: warmen, herrlich süß-salzigem Kräutertee gab es Suppe, klein geschnittenes Obst und Gemüse, Studentenfutter, Nahrung von Jentschura und Gels/Riegel von High5 und wirklich guten Schokoladenkuchen mit fetter Glasur… Das Buffet war eröffnet und hätte ich nicht die Zeit im Nacken, könnte  ich mich daneben in die Wiese legen und das Picknick geniessen, die Versuchung war groß. Doch im Ernst, für besten Energienachschub wurde gesorgt, nocheinmal besten Dank an Plan B!

Zunächst aber ging es schnell weiter in Richtung Verpflegungspunkt 8 Reintal und zwischen km14 und 15 hiess es nun Konzentration, denn der steile Downhill war ein wenig anspruchsvoller, die Steine nasser, die Baumwurzeln tückischer und der Pfad schmaler. Zum ersten Mal an diesem Tag war ich dankbar für den Grip meiner Salomon Speedcross, wenn ich auch die Wahl meiner Trailschuhe später verfluchen sollte. Nur einmal legte ich mich schön hin, als die Pferde mit mir durchgingen und ich mit einem großen Sprung über einen Wasserlauf hüpfen wollte. Schnell aufgerappelt, Hände und Knie sauber gemacht und weitergelaufen, von da an war ich vorsichtiger.

Und dennoch musste ich immer wieder kurz innehalten und die Augen von den Trails lösen, denn die Ausblicke raubten mir den Atem und trafen mich oft mit einer Wucht, dass ich die Bilder vor dem inneren Auge zu speichern versuchte. Die glasklare Luft und die Sonne perfektionierten dieses Bild und ich versprach mir jedes Mal, wiederzukommen und diese Strecke mal in Ruhe und ohne Hetz abzulaufen. Foto_2-1Z5

 

Nach dem V8 hieß es nun Ackern, denn vom Höhenprofil wusste ich bereits, dass es vom km 16 an stetig bergauf gehen sollte, so teilte ich mir die Kräfte gut ein und arbeitete mich die nächsten 10 km voran. Dabei wünschte ich mir zum ersten Mal Laufstöcke herbei. Bei der Planung des Laufs nannte ich die Base-Version immer liebevoll den Baby-Trail. Nicht, dass ich ihn unterschätzte, ich hatte Respekt, doch im Vergleich zu den zwei anderen Distanzen schienen mir die knapp 36km gut zu bewältigen, und das ohne Stöcke… Doch gefühlt 90% meiner Mitläufer auf der Strecke setzten welche ein, und als die Steigung in Richtung Talstation Längenfelder irgendwann nicht mehr enden wollte und meine Oberschenkelmuskulatur brannte, wusste ich, warum und  wünschte mir, ich könnte einfach nach hinten in meinen Laufrucksack greifen und ein Paar von diesen herrlich leichten aufklappbaren Leki-Stöckchen herzaubern. Aber man lernt nie aus. Es musste dieses Mal auch so gehen.

Oben bei V9 endlich angekommen, wurden wir von vielen Zuschauern angefeuert. Und so motiviert, den schwersten Anstieg geschafft zu haben, stärkte ich mich schnell und konnte sogar wieder in einen leichten Lauf übergehen, denn von der Karte und den Erzählungen her mussten wir eigentlich nur noch einmal um den Gipfel herum zur Bergstation Alpspitzbahn und wieder runter und kamen am gleichen Verpflegungspunkt wieder raus. In den Gesichtern der schnellen Läufer, die bereits die Umrundung geschafft hatten, las ich wenig Erschöpfung und erwartete somit nicht mehr allzu viel Anstrengung, bevor es endlich zum finalen und von mir sehnlichst erwarteten Downhill kommen sollte. Doch ich irrte – die kommenden 5 Kilometer hatten es wirklich in sich. Die Steigung war an einigen Stellen so hoch, dass an Laufen gar nicht mehr zu denken war, nur noch stetiges Wandern. Ich fluchte innerlich immer wieder über meine nicht vorhandenen Stöcke und holte alle mir bekannten Motivationssprüche hervor, wollte  endlich nur noch runtersausen. Tatsächlich konnte ich noch einige Läufer unterwegs einsammeln, aber im Grunde war es nur ein stetiges Motivieren und Durchbeissen bis zum erneuten Erreichen der V9.

Dieses Mal wollte ich gar nicht mehr lange Kuchen oder Obst naschen, ich füllte schnell die Flasks mit Wasser und trank zwei Schlücke Red Bull (ob nicht ein Schuss Wodka hineinkönne, fragte ein gutgelaunter Mitäufer) und nach einem Blick auf die Suunto, die mir eine 5:13h anzeigte, regte sich in mir die Hoffnung, unter 6 Stunden zu finishen.

Etwa 5 km Downhill erwarteten mich, weitere 2 flache km durch Grainau zum Ziel. Das musste doch in einer Dreiviertelstunde zu „fliegen“ sein und ich wollte Gas geben! Ha. Ha.  Die Strecke war einfach anspruchsvoller als ich dachte, die Steine oftmals glitschig und rutschig vom Vortag und einige Passagen waren dermassen schlammig, dass ich wie durch ein Wunder das Gleichgewicht behalten konnte, obwohl ich manchmal wirklich mit den Armen ruderte…Foto_2 Und schließlich bereitete mir jeder Schritt dieser finalen Stunde große Schmerzen, weil die Speedcross durch ihre enge und harte Zehenkappe doch nicht die beste Schuhwahl waren. Die Zehen krachten bei jedem Schritt gegen den Schuh und das spätere Ergebnis, als ich im Ziel endlich die Schuhe ausziehen konnte, waren Blasen unter fast allen Zehennägeln und drei blaue Zehen, würg. Doch zunächst wollte ich die Zähne zusammenbeissen und ans Ziel denken. Die Zeit war nicht mehr wichtig, die 6 Stunden war ich deutlich drüber.

In Grainau angekommen lief ich die letzten 2 km wie im Rausch. Alle gesammelten Emotionen, die Eindrücke, der Spass, die tolle Stimmung unter den Läufern, der Schmerz, die Demut vor der Landschaft und dem Berg sammelten sich und ich wusste, dass meine Liebe zum Trailrunning geboren war. Ich setzte lieber schnell meine Sonnenbrille fürs Finisherfoto auf..

zut106:35 Stunden sollten es schliesslich werden und nachdem ich im Ziel meine Medaille bekommen, das Zielbier getrunken, die Schuhe endlich ausgezogen und meine Mitläufer gedrückt habe, wusste ich, dass der ZUT 2015 definitiv auf meiner Bucketlist steht..Z9

 

Die Stimmung im Festzelt war übrigens bis in die späte Nacht grandios. Man feierte alle ankommenden Läufer der langen Distanzen und ich ziehe meinen Hut vor der Leistung von Ulf, Mathias, und Mel, die die 100km gerockt haben! Ihr seid der Wahnsinn und ich hoffe, ich kann mich auch irgendwann an die 100k wagen…

Am nächsten Morgen vor der Abreise strahlte mich der Berg an und ich strahlte zurück: See You, Baby!Z10

5 Kommentare zu “Der grandiose Zugspitzultratrail oder: Trail-Love forever

  1. ENDLICH bloggt sie ;-). Vielen Dank für die schönen Bilder!
    Wie schon bei Rebekkas Bericht bekommt man hier ordentlich Lust sich auch anzumelden..
    Ich hoffe die Füße sind auf dem Weg der Besserung

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  2. I do not even know how I stopped up here, however I assumed this put up was good. I do not recognise who you are however definitely you’re going to a wellknown blogger for those who are not already ggbfdceekdgd

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  3. Pingback: 11 kurze Post-its | Run and Ommm

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