Run and Ommm

running yogini

Real Men do Yoga – oder nicht?!

5 Kommentare

namaste bitches

Ich bin tief überzeugt, dass regelmässige Yoga-Praxis nicht nur mental und psychisch, sondern auch körperlich einen positiven Einfluss auf den Praktizierenden ausübt und besonders Athleten davon profitieren können. Und dennoch ist der Anteil an Männern in den Yogastunden eher gering, ich würde ihn, je nach Yogastil, bei unter 10% beziffern. (Dies ist in den USA anders, wie ich staundend bemerkte, dort wagen sich wesentlich mehr Männer in die Yoga-Classes). Wenn ich in meinem Bekanntenkreis von herausfordernden Yoga-Stunden schwärme, nach denen im Anschluss gefühlt jeder Muskel meines Körpers vor Anstrengung zittert, kommt oftmals ein „Ja, glaub ich Dir… Aber dieser Esoterik-Quatsch ist einfach Nichts für richtige Männer.“  Also steckt offensichtlich immer noch dieses Vorurteil in den Köpfen, dass Yoga unabdingbar in einen Topf geworfen muss mit Räucherstäbchen, gebetsartigen Gesängen und minutenlangem Verharren im Lotussitz bei gleichzeitigem Ommmm. Dabei ist Yoga so vielseitig in den verschiedenen Stilrichtungen, dass jeder, meiner Meinung nach, SEINE Yogaklasse finden könnte.

Ich habe also die Herausforderung angenommmen und bearbeitete einen guten Freund, nennen wir ihn Mark,  zwei unterschiedliche Yogaklassen mit mir zu besuchen. Wenn es immer noch Esoterik-Quatsch für ihn sei, dann würde ich ihn in Ruhe lassen. Aber ich wettete mit einem Augenzwinkern, dass er Feuer fangen würde. Und nur mein Gegenversprechen, dass ich dafür einmal mit zum Crossfit-training kommen würde, ließ ihn einschlagen. Und die Aussicht auf Frauen in Leggings, wie er mir später gestand. Chauvi. 😉

Nun ist Mark ein athletischer Typ, er läuft viel und leidenschaftlich und fährt ausserdem noch Rennrad. Regelmässige Stabiübungen kennt er, und Gewichte werden auch ab und zu gestemmt. Das bedeutet eine kräftige, jedoch teils verkürzte Oberschenkelmuskulatur, da Stretching bei ihm nur lästige Nebensache ist. Ich sah ihn schon vor mir, ächzend und leidend in der Vorwärtsbeuge, aber da musste er jetzt durch.

Meine erste Wahl  war eine Bikram-Yoga-Klasse, auch Hot Yoga genannt. Hier ist der Schwerpunkt die körperliche Fitness, von Spiritualität wird fast ganz abgesehen. Also für Marks Einstieg in die Yogawelt genau das Richtige. Das besondere am Hot Yoga ist das Üben in einem auf 40Grad aufgeheizten Raum bei etwa 50%iger Luftfeuchtigkeit; die nur insgesamt 26 Asanas (Yogastellungen) sind nicht kompliziert, die größte Herausforderung ist hier, den eigenen Kreislauf  in Zaum zu halten. Andererseits hält die Hitze die Sehnen und die Muskulatur geschmeidig und die Dehnung fällt leichter. Bikram Yoga ist also ein gutes Workout.

Nachdem wir unsere Matten ausgerollt, die Handtücher darüber gelegt und unsere Wasserflaschen abgestellt hatten, ging es auch schon los. Die Stimme der Yogalehrerin hatte fast etwas von einem Befehlston, sie beschrieb die einzelnen Übungen haargenau, so dass man ihr, auch als kompletter Anfänger, gut folgen konnte. Wir bewegten uns von den Atemübungen zu den stehenden Vor- und Rückbegen und unser Schweiß lief tropfend auf die Matte. Spätestens jetzt musste jedem klar werden, warum die meisten in kurzen Sachen, oder sogar Badesachen gekommen waren: bald übten wir in unseren eigenen Schweiß-Pfützen. Ich sah zu Mark herüber und registrierte seinen hochroten Kopf. Wie sein Ehrgeiz mit ihm davongaloppierte, und er verbissen versuchte, mitzuhalten und bloß nicht in die sogenannte Kindchenstellung zu müssen, die einige Teilnehmer einnahmen, um sich zu erholen oder den Puls zu senken. Ich hörte ihn gluckernd und gierig aus seiner Wasserflasche trinken, die er ursprünglich im Spind lassen wolte. Die 90 Minuten vergingen wie im Flug und wir lagen bald alle selig und erschöpft auf unseren Matten zur Schlussentspannung und warteten, dass unser Herzschlag sich beruhigte.bikram

Geduscht, erfrischt und warm eingepackt trafen wir uns draußen. „Und?“ fragte ich, „wie fandest Du es?“ – „Hätte ich bloss meine Polar getragen, die Pulsrate wäre interessant gewesen.“ antwortete er nur und das musste mit für den Abend reichen.

Am nächsten Morgen jedoch folgte sogleich eine sms: *Muskelkater! War ganz okay… wo geht´s als nächstes hin?*  und ich jubelierte…

Meine zweite Wahl machte ich mir nicht leicht, Mark sollte das volle Programm erleben und nicht mehr geschont werden, allerdings fiel mir die Entscheidung schwer, zu viele fantastsiche Yoga-Schulen hat Berlin, nicht umsonst boomt die Yoga-Szene hier. Wir verabredeten uns diesmal zur  Jivamukti-Yoga-Stunde, weil ich glaubte, dass diese ihn ebenfalls ansprechen würde. Jivamuktis werden liebevoll die „Punks“ der Yogaszene genannt und benennen sich selbst als „holy and hip“. Die New Yorker Sharon Gannon und David Life, die diesen Stil in den 80er Jahren ins Leben riefen, schufen eine Mischung aus herausfordernder Klasse mit fliessenden, kraftvollen Bewegungen zu lauter Musik (Elektro, Pop, HipHop, aber auch indischen Mantras), aus Sanskrit-Gesängen und Lesen von heiligen Schriften. Dies hat einen gewissen Revoluzzer-Charme und zieht tausende von Yogis weltweit an. jiva

Wir rollten also erneut unsere Matten aus und ich sah vor meinem inneren Auge schon Marks Augenrollen, als die erste Viertelstunde in Sanskrit gesungen und Mantren rezitiert wurden. Immerhin, er sang teilweise mit.  Dann ertönte plötzlich Eminems Stimme und die Musik hämmerte durch den Saal. Wir wurden durch die verschiedenen Sonnengrüße und weitere Asanas gepeitscht, die durchaus herausfordernd waren. Endlich nahm Mark sich zurück und pausierte grinsend, wenn er zum Beispiel am Unterarm- oder Handstand scheiterte. Im Anschluss stieg er wieder ein und ich wusste, die Sache machte ihm Spass. Auch hier waren die 90 Minuten blitzschnell vergangen und wir lagen bald in der Totenstellung, auf dem Rücken liegend, mit einer Decke zugedeckt und entspannten bei chilliger Loungemusik.  Ich musste lächeln, als ich ein ganz leises Schnarchen vernahm, doch ich konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob es Mark war, der eingenickt war, zu vielen Yogis ist dies schon einmal passiert.

Im Anschluss an die Klasse setzten wir uns in die grandiose Jivamukti Canteen und schlürften frische grüne Säfte.

„Also?“ ich wollte endlich sein Fazit hören und blickte gespannt auf sein Gesicht, „Ist Yoga wirklich nichts für Euch, ach, so toughen Männer?“

Er grinste: „Einiges, wie das Singen,  ist gewöhnungsbedürftig, aber ich war tatsächlich nach einem harten Auspowern im Anschluss selten so entspannt. Und das Stretching habe ich auch bis jetzt vernachlässigt. Vielleicht probiere ich es wieder einmal, zumindest, bis ich endlich meine Zehen berühren kann.“ Dann steckte ich ihm noch schnell den Flyer mit dem Stundenplan zu, schaden konnte es nicht.

 

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Da Yoga in Deutschland sich noch immer entwickelt und die Szene stetig wächst, glaube ich, dass auch der Männeranteil wachsen wird. Groß wurde in der Presse gestaunt, als der Bundestrainer der Fussballnationalmannschaft Yoga ins wöchentliche Repertoire seiner Jungs aufnahm, und nach unserem WM-Sieg war das Bild ihres Yogalehrers Dr. Patrick Broome (übrigens auch Jivamukti-Yoga-Lehrer) stolz mit dem Pokal in der Hand in den Social Media sehr präsent. Yoga muss nicht der ausschließliche Weg sein, sondern kann eine Bereicherung für Sportler und Athleten sein, sowohl physisch als auch mental. Die Möglichkeit, seinen Körper zu dehnen und zu stärken und gleichzeitig Achtsamkeit zu üben und sich auf den Körper sowie ein bestimmtes Ziel zu besinnen und dieses zu fokussieren, sollte „Mann“ sich einfach nicht entgehen lassen.  Namasté!yogamen4

5 Kommentare zu “Real Men do Yoga – oder nicht?!

  1. Namaste Yogini! 😉 Spiele schon lange mit dem gedanken Yoga in das Training einzubauen. Dehnung kommt bei mir auch einfach zu kurz. Vielleicht kannst du ja eine Schule in Tiergarten/Charlottenburg empfehlen. Beste Grüße, Olli.
    http://www.flitz-piepen.de

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    • NamastEY Olli! In Charlottenburg gibt es das Spirit Yoga West zum Beispiel (in der Goethestrasse), Adam Rice könnte was für Dich sein… Oder mein Tip: Schau Dir die Seite http://www.yogamitjulia.com an! Dort Timos Fotostrecke ! Timo ist professioneller Biker und Yogalehrer. Die Yogaübungen, die er speziell für Biker/Sportler ausgewählt hat, sind super!!!! Viel Spass und liebe Grüße!

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      • Die Fotostrecke gleich mal ausgedruckt. Morgen wird ausprobiert. Vielleicht schaffe ich es demnächst auch mal zu einer Yogastunde zu gehen. Danke für die Tips! Ommmmm!

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  2. Namasté!
    Ich danke dir für den tollen Artikel! Ich bin leider erst heute über dein interessantes Blog gestolpert. Ich schupse das Thema Yoga schon lange vor mir her! Ich finde irgendwie keine richtige Anlaufstelle, oder kennst du eine gute Yogaschule im Hunsrück? Die VHS bietet Kurse an, vielleicht werde ich es da mal versuchen. Ich habe schon einige Videos für Anfänger aus dem Internet nachgemacht, will es aber richtig mit Hilfe eines Yogalehrers lernen! Ich stehe auf den esoterischen Anteil, und kann gut dabei entspannen, frage ich aber Bekannte ob sie mitgehen, bekomme ich den Vogel gezeigt!
    Gruß Jörg

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    • Namasté Jörg! Ich freue mich sehr, dass Dir mein Artikel gefallen hat. Und es ist immer wieder schön, wenn man andere für´s Yoga begeistern oder motivieren kann. Ich bin sicher, es wird Dir gefallen! Leider kann ich Dir keine Yoga Schule in Hunsrück persönlich empfehlen, ehrlich gesagt war ich noch nie in Hunsrück, das wird irgendwann noch nachgeholt :-D. Ich denke, Du solltest einfach einige Schnupperstunden machen und auf Dein Gefühl hören. Die ananda-Yogaschule in Laufersweiler besipielsweise scheint viel mit Ayurveda zu arbeiten, das klingt gut! Du kannst auch, wenn Du keine Schule in Deiner Umgebung findest, erst einmal mit einer DVD beginnen und dann einmal zur Probe etwas weiter fahren, z.B. nach Mainz (das ist doch in etwa eine Stunde von Dir entfernt?). Dort kann ich Dir die kleine aber feine Schule yogalanie.de empfehlen! Dort wird mit viel Herz unterrichtet! Lass von Dir hören, ich bin sehr gespannt! Herzliche Grüße, Maty

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