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GO VEG(etari)AN, Athlete!

4 Kommentare

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ – Albert Schweitzer

Tiere sind für mich keine Zutaten. Ich esse kein Fleisch, weil ich für die grausame Massentierhaltung nicht mitverantwortlich sein will und ich Tiere liebe; da unterscheide ich nicht zwischen Hunden, Katzen, flauschigen Kaninchen und Kühen, Schweinen oder Ziegen. Basta.

hund

Und dennoch habe ich es über die Jahre nie geschafft, mich vollkommen auf vegane Ernährung umzustellen. Oft habe ich mich damit auseinandergesetzt, mit Gänsehaut Jonathan Safran Foers Buch „Tiere essen“ gelesen, Diskussionen im Netz verfolgt, PETA unterstützt. Aber komplett auf tierische Produkte konnte ich nie lange verzichten. Mein absolutes Morgenritual seit Jahren ist ein extrastarker Espresso, den ich mit noch geschlossenen Augen in der Küche zubereite, heissen Milchschaum drübergiesse und zurück ins Bett tapse. Wachwerden, Schaum löffeln, Kraft tanken. Keine Mandel- oder Hafermilch schaffte es lange in den Muntermacher. Auch esse ich gerne mal daumendick Käse auf warmem Vollkornbrot oder besuche mit meinem Kleinen unsere italienische Eisdiele, und dann muss es gleich ein Rieseneisbecher sein, den wir uns teilen, klar. Diese Divergenz zwischen meiner inneren Überzeugung und der praktischen Umsetzung konnte ich oft ausblenden, und ich denke, so geht es vielen anderen leider auch.

Dann berühren sich plötzlich Erlebnisse und Erfahrungen, die kein Zufall sein können und die eigene Einstellung erneut in Frage stellen. Dies war ein  Gespräch mit einem Fluggast, der streng vegan lebt. Wir unterhielten uns nachts über dem Atlantik über Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor den Tieren“, ein Buch, das ich vor Jahren im Rahmen meiner Jivamukti Yoga Praxis gelesen habe, und wir sprachen über die unglaublichen Zustände auf den Schlachthöfen weltweit. Dies war kurz darauf auch ein Interview im Netz, welches Katrin vom Blog bevegt  (welchen ich übrigens sehr gern lese und von Herzen empfehlen kann) zu ihrer Motivation, vegan zu leben, gegeben hat. Ihre Worte haben Eindruck bei mir hinterlassen. Und dies war schliesslich auch fast zeitgleich das Buch „No Meat Athlete“ von Matt Frazier, welches mir in die Hände gefallen ist. Ich verschlang es mit großer Begeisterung und werde in den nächsten Tagen auch näher dazu berichten. Ich habe einiges über Veganismus gelesen, aber bisher noch nicht so explizit im Zusammenhang mit Ausdauersport.meat Matt Frazier hat hier eine Frage aufgegriffen, die mich sehr interessiert, nämlich wie vegane Ernährung Einfluss auf den Sportler bzw. die Regeneration nimmt. Sein subjektiver Eindruck ist eine bessere und schnelle Regeneration und eine geringere Verletzungsanfälligkeit. Repräsentative Untersuchungen dazu habe ich bisher nicht gefunden, doch das Thema macht mich neugierig. Bekannte Namen aus dem Sport wie Carl Lewis, Scott Jurek, Mike Tyson, Martina Navratilowa, Brendan Brazier oder Rich Roll ernähren sich seit Jahren vegan und sind zu Höchstleistungen fähig. Auf jeden Fall zeigt dies, dass vegane Ernährung nicht zu Leistungseinbußen führt, was oftmals gerne behauptet wird.

Wie der Zufall es will, habe ich letzte Woche doch noch einen Startplatz für den Berlin Marathon Ende September gewonnen. Mir bleiben knappe 10 Wochen Zeit zur Vorbereitung, und ich weiss vom letzten Jahr, wie anstrengend diese Phase für mich ist: Zeit organisieren für die langen Läufe, sich an den Trainingsplan-Plan halten, und trotz schlafloser Nächte durch die Nachtflüge und den Jet Lag, versuchen zu regenerieren und Kraft zu sammeln für die nächste Trainingseinheit. Diese 10 Wochen sind ein guter Zeitpunkt, Matt Fraziers These selbst auszuprobieren.

So habe ich zeitgleich mit dem „Hauptgewinn“ von einer Minute auf die andere beschlossen, mich komplett vegan zu ernähren und ganz speziell meine sportliche Leistungsfähigkeit dabei zu beobachten. Ich möchte wissen, für wie kompliziert ich die Planung der Mahlzeiten empfinden werde, um genügend Nährstoffe zu bekommen und auch genügend Kalorien, da ich persönlich in der Regel eher darauf achten muss, nicht zu viel an Gewicht zu verlieren. Ich bin gespannt, wie die Regeneration ausfallen wird, das subjektive Körperempfinden. Ich bin neugierig, wie meine Liebsten („Nochnichtmalvegetarier“) damit umgehen und ob ich sie ein wenig mitziehen kann.

Ich weiss noch nicht, wie mein Fazit aussehen wird, ich hoffe jedoch, ich schreibe es mit einer Medaille um den Hals.

So viel schon mal vorneweg: Die erste Woche war noch aufregend. Den Morgenespresso durch Matcha ersetzt und mich geschüttelt, auf Kaffee Schwarz umgestiegen (ich liebe Matcha, aber eben nicht früh und nüchtern am Morgen), vegane Rezepte studiert, eine Menge Geld für Zutaten ausgegeben, gekocht, gebacken. Passt.

raw

Und während ich diese Zeilen schreibe, nasche ich das dritte Stück vom veganen Brownie, welcher mit schwarzen Bohnen gefüllt ist. Klingt grausam, ist aber ein Gedicht! 🙂

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “GO VEG(etari)AN, Athlete!

  1. Super, ich bin sehr gespannt auf Deine Erfahrungen! Ich ernähre mich auch vegetarisch, da mir vegan einfach (noch) zu kompliziert wäre. Man hat ja leider teilweise schon Probleme vegetarisches Essen zu bekommen. Erst letztens bestellten wir in einem Restaurant das einzige vegetarische Gericht auf der Karte (Omelette mit Pilzen) und fragten extra noch einmal nach ob es vegetarisch ist. An den Tisch gebracht wurde uns dann das gewünschte Gericht mit Schinken!

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    • Liebe Manu, das stimmt, auswärts Essen gehen ist sicher nicht ganz einfach, doch es hat mich positiv überrascht, dass in beinahe jeder Stadt, die ich beruflich anfliege, mittlerweile viele vegetarische/vegane Restaurants zu finden sind. Ich denke der Markt wächst, und das ist schön! Vielleicht schaffen wir es ja mal zusammen ins Mano Verde o.ä.. 😉

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  2. Liebe Maty, ich kann dich nur bestärken – es war wie schon auf Twitter geschrieben für uns eine der besten Entscheidungen unseres Lebens. Wir haben viel gelernt – für uns und für das Leben. Auch wenn sich das komisch anhört.
    Mit der Regeneration ist das so eine Sache, das habe ich früher auch gesagt. Heute sehe ich das differenzierter. Ich regeneriere vielleicht wirklich schneller als früher, aber das liegt nicht „nur“ an der veganen Ernährung, sondern auch dass ich anders esse als früher. Viel mehr Obst und Gemüse, so gut wie kein Weißmehl mehr, nach intensiven Laufeinheiten sofort einen Mix aus KHs und EWs etc. Das soll dich nicht abschrecken, sondern nur nicht demotivieren, wenn du irgendwie nicht DEN Leistungszuwachs erfährst 😉
    Alles Liebe & RUN VEGAN!
    Katrin

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    • Liebe Katrin, ich schraube meine Erwartungen nicht allzu hoch und verlasse mich auch ein wenig auf das Training 😉 Aber Spass beiseite: Ich glaube, dass die bewusste Auseinandersetzung mit der richtigen Ernährung bereits positiven Einfluss auf das Körperempfinden hat, unabhängig von der sportlichen Leistung. Da meine Beweggründe für den Veganismus zuallererst ethischer Natur sind und erst an zweiter Stelle eventuelle gesundheitliche Vorteile, bin ich offen für jede Erfahrung, die diese Entscheidung mit sich bringt. Eines konnte ich bereits beobachten: Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, einfach so. 😀 Vielen Dank für Deine liebe Motivation!

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