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Travel & Ommm: Jivamukti Yoga in New York City

2 Kommentare

Die Stunden, die mir beruflich in der Stadt New York zur freien Verfügung bleiben, sind meist begrenzt. Meist falle ich, die Uniform schnell abgeworfen, übermüdet ins Hotelbett. Selten lockt mich noch ein gemeinsamer Feierabendcocktail in einer  Bar mit dem Rest der Crew. Meist ist der Flug ziemlich anstrengend gewesen, mein Körper schreit nach Schlaf und ich liebe es außerdem, in den ganz frühen Morgenstunden der Stadt beim Aufwachen zuzusehen.

Ich folge in den Staaten fast immer meinem Morgenritual: Kaffee in die Hand, nach unten tapsen und sobald die Sonne aufgegangen ist, eine Laufrunde starten. So lassen sich die besten Ecken und Straßen entdecken, ich habe meinen Run schon morgens erledigt und es bleibt anschließend noch genug Zeit für Yoga, Frühstück und anderes. imageDa wir in Brooklyn untergebracht sind, führt mein Weg meist über die grandiose Brooklyn Bridge, die bereits in den frühen Morgenstunden mit Läufern gefüllt ist. Der Verkehrslärm ist um diese Zeit meist schon enorm, die Autos, die unter uns durchfahren, hupen sich wild durch den Morgenverkehr und ich frage mich jedes Mal, ob das den New Yorkern nicht irgendwann zu viel wird. Ich genieße dieses Spektakel jedes Mal, doch klar, ich bin auch nur Besucher.image Mit Gänsehaut die Brücke rauf und wieder hinunterlaufen, nach Manhattan hinein, vorbei am ehemaligen Ground Zero, den Broadway entlang und bald wieder zurück. imageImmer begleitet von hupenden und bremsenden Taxifahrern, Lieferwagen, Polizeisirenen. Doch tagaus tagein wäre dieser Lauf einfach Nichts für mich. Die unzähligen Gyms in der Stadt mit ihren Laufbändern an der Frontscheibe, wo der New Yorker einfach seine Kopfhörer einstöpselt und mit Blick auf die Stadt vor sich hinläuft, ohne Smog und Risiko, haben wohl nicht umsonst ihre Fans.

Ich kehre jedoch meist voller Eindrücke ins Hotel zurück, schnappe mir meine Yogamatte und mache mich diesmal mit der Subway nocheinmal auf den Weg zu einem Yogastudio Downtown. Die Auswahl ist unglaublich. Die Yogaszene in den Staaten ist schon riesig und der europäischen immer noch um einige Jahre voraus (im positiven wie im negativen Sinne). Doch New York sprengt das Ganze nocheinmal. Yoga gehört für die Menschen hier zum Alltag, zum Workout, zur Hip- und Coolness. Man kann davon halten, was man will, ich finde es jedoch sehr schön, dass Yoga so zu vielen Menschen Zugang findet, ob zum gestressten Büromenschen, der nach dem Arbeitstag noch schnell „herunterfahren“ oder zur Hausfrau mit  Übergewicht, die durch dieses Workout abnehmen will. Die Klassen sind immer sehr voll, und ich habe bisher in Deutschland noch keine 7 Uhr-Yoga-Klasse erlebt (wenn diese überhaupt angeboten wird), bei der sich die Teilnehmer Matte an Matte quetschen, um gemeinsam zu schwitzen.jiva schcool

Dieses Mal zog es mich nach langer Zeit wieder ins Jivamukti-Yoga-Studio am Union Square. Durch Sting, Madonna und andere Promis populär geworden ist dies eines der bekanntesten Yoga Studios in New York. Die Künstler Sharon Gannon und David Life gründeten diese Yoga-Form 1986 (ursprünglich im East Village), nachdem sie in Indien Yoga selbst studiert und praktiziert hatten. Der heutige Stundenplan des Studios (von 7 Uhr morgens bis in die Abendstunden stündlich Klassen!) lässt auf die große Zahl der Mitglieder schließen, noch nie habe ich eine leere Klasse erlebt, immer waren sie gut besucht. Genau aus diesem Grund habe ich das Studio in den letzten Jahren gemieden und war auf der Suche nach kleineren Yogaschulen. Doch nach einigen Jahren siegte nun die Neugier, ob sich etwas verändert hatte. Und nicht zuletzt freute ich mich auf eine herausfordernde Open Class bei Dechen Thurman, der bereits in Berlin öfters unterrichtet hat. Dechen eiferte in seinen früheren Jahren seiner berühmten Schwester Uma nach und versuchte sein Glück in Hollywood, und eine gewisse Theatralik kann man noch heute in seinen Stunden erkennen, wie ich persönlich finde. Auf jeden Fall wird oft gelacht, geschmunzelt oder die Musik besonders laut aufgedreht.

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Ich rollte also als erste meine Matte aus und wartete nicht lange, bis sich der Raum füllte. Obwohl die Schule mitten am Union Square liegt und man durch die Fenster das Hupen der Autos und Heulen der Sirenen hört, erfüllt mich immer eine Ruhe und Geslassenheitt, sobald ich dort sitze, in anderen Worten: dieser Raum hat einfach Spirit.

Nachdem wir einige Minuten Mantren in Sanskrit gechantet haben und Dechen über den „Focus des Monats“, der dieses Mal die „Identität“ war, reflektierte, blieb uns keine Zeit, das Gesagte zu verarbeiten oder gar darüber nachzudenken, sofort startete die Musik und wir bewegten uns in einem, wie ich fand, flotten Tempo durch die Sonnengrüße. Im Vinyasa-Stil wurden wir durch die Sequenzen der Yoga-Posen geführt, das heißt in einem sehr fließendem Stil, synchron mit dem Takt des Atems und gleichzeitig auch mit dem der Musik. Längst standen uns Schweissperlen auf der Stirn, das Herz pumpte wie wild das Blut durch unsere Körper und ich musste mich beim Anblick der vor mir stehenden Yoga-Amazonen immer wieder ermahnen, meinen Ehrgeiz nicht davongallopieren zu lassen. Meine Grenzen zu spüren, meinen Atem zu beobachten und das zu geben, wozu mein Körper heute eben bereit war. Immer wieder ging Dechen von Schüler zu Schüler und korrigierte unsere Haltungen, um eine gute Ausrichtung zu finden. Über eine Stunde war vergangen, mein Top klebte am Körper, die Matte glänzte vor Schweiss, wir haben den Körper gefordert, Handstand geübt und die Oberschenkel zittern lassen. Und dann kam sie endlich – Savasana, die Totenstellung. Ich liebe diese Yogapose, bei der man sich auf den Rücken legt die Augen schließt und zur Ruhe kommt, am Ende einer besonders schweisstreibenden Yogastunde sehr. Die Ruhe und Entspannung, die den Körper überrollt, ist nach der ganzen Anspannung himmlisch.

Langsam holte uns Dechen mit einem Gong aus unserem High zurück und erst jetzt vernahm ich wieder den Verkehrslärm von draußen. Die letzten 90 Minuten konnte ich ihn ausblenden. Wir bedankten uns bei Dechen für die Klasse und ich unterhielt mich noch ein wenig mit eben jener Yogini, die in der ersten Reihe gestanden hatte, über den Unterricht. Sie berichtete mir, dass die Nachmittagsklassen noch viel voller seien und man oft rechtzeitig da sein müsse, um einen Platz zu ergattern.

Nach einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass mir nicht mehr allzu viel Zeit bliebe, bevor ich zurück ins Hotel sausen müsste, doch ebenfalls, dass es daheim schon längst Nachmittag sei und mein Magen sich so langsam nach etwas Essbarem sehnte.

In der Yogaschule befindet sich ebenfals das Jivamuktea Cafe, wo man besonders als Veganer glücklich wird: Frühstück, Salate, Smoothies und vieles mehr stehen auf der Karte und man kann sich an der Fensterfront zurückziehen, die Yogastunde Revue passieren lassen und wirklich lecker essen.

Ich liess mir das Sandwich und den Saft aus Cashewnüssen, Avocado und Sojamilch schmecken und freute mich, dass ich mal wieder ins Jivamukti New York gefunden hatte.

Und wer als New York-Besucher Lust bekommt, mal für 2 Stunden dem Großstadtdschungel zu entfliehen und ein wenig seine Glieder zu strecken: 841 Broadway, 2nd Floor 😉

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Ich verabschiedete mich wiedereinmal ausgepowert und glücklich von dieser verrückten Stadt und freute mich schon auf ein Wiedersehen.

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2 Kommentare zu “Travel & Ommm: Jivamukti Yoga in New York City

  1. Wie wunderbar! Sollte ich wieder einmal in der Stadt sein, werde ich ganz sicher diesem Studio auch endlich einen Besuch abstatten. Ich war ja einigermaßen schockiert, als du mir die Empfehlung gegeben hast und ich prompt im Flieger dort hin einen Lehrer des Studios kennenlernte. Leider reichte die wenige freie Zeit nicht, die ich dann doch nur mit Laufen verbracht habe…
    Ist das Studio hier in Berlin vergleichbar?

    Auf jeden Fall ist der Saft eine tolle Inspiration. Werde ich mir gleich zum Frühstück gönnen.

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    • Wie schön, hat der Smoothie geschmeckt?? Ich hab ihn auch versucht, ihn aber nicht genau so hinbekommen, die Verhältnisse muss ich wohl noch variieren…;-) Das Studio hier in Berlin (oder mittlerweile gibt es ja zwei: in Mitte und in X-Berg)ist nicht wirklich vergleichbar,es ist viel kleiner,da New York eben viel mehr Mitglieder hat. Aber dennoch einen Besuch wert. Und: Im Peaceyoga.de wird auch Jivamukti unterrichtet! Liebste Grüße!

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