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Berlin Marathon Melancholia

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medailleGanze zwei Wochen brauchte ich nun, um den Berlin Marathon gedanklich durchzukauen und zu verdauen. Erst ein neues Rennen, der gestrige Asics Grand Zehn, brachte mich nun dazu, damit endlich abzuschließen. Irgendwie konnte ich diesen Marathon nicht so recht einordnen: Zielzeit total verfehlt, also *Fail*? Durchgebissen und nicht aufgegeben, also *teamnevergiveup*? Oder einfach nur viel, viel *FUN* gehabt, also das, worauf es letztlich ankommt? Keine Ahnung…bm5

Der Morgen fing einfach nur bezaubernd an: Ganz wenig Schlaf, da am Vorabend noch mit Jurek & Co gekocht, aber das war völlig egal. Zu schön waren die Eindrücke und Erinnerungen. Zu groß die Vorfreude darauf, dass es nun endlich losgehen sollte. Ein kräftiger grüner Matcha, ein halbes Brötchen und es konnte losgehen. Ich liebe diese Stimmung am Marathonmorgen: Draussen ist es noch dämmrig, das Haus schläft, man selbst aber hüpft aufgeregt aus dem Bett, schlüpft in die vorbereiteten Laufsachen, packt sich warm ein und düst los. Draussen am Bahnsteig die ersten Mitläufer, einfach unverkennbar. Man nickt sich zu, schaut verstohlen in die nervösen Gesichter, stöpselt schnell die Kopfhörer ein, versucht die Nervosität in Schach zu halten.

Noch besser dann die Ankunft am Brandenburger Tor: Eine herrliche Morgenröte gepaart mit kalter Luft, die sofort wach macht. Überall Läufer, die sich begrüßen, Fotos machen, umherschwirren. Wie ein großer Ameisenhaufen. Die Luft ist geladen mit Aufregung, Konzentration und Vorfreude. Ich liebe diese Spannung.

Und fast unwirklich wirkte der Tiergarten, als die Morgenstrahlen durch die Bäume fielen und dazwischen die sich warmlaufenden Marathonis in ihren gelben Plastikfolien umhertanzten.

 

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Schnell noch einige bekannte Läufer gegrüßt, Glück gewünscht und ab zum Startblock. Es konnte, nein, sollte nun endlich losgehen.

Da gpway Ulf sich bereit erklärt hatte, mein sub4 Hase zu sein, schlüpften wir rasch um ein bis zwei Blöcke weiter nach vorn, in „seinen“ Block halt. (Oh weh) bm7

Überhaupt, dieses sub4… Ich wollte mir keinen Stress machen und laufe eigentlich immer nach Lust und Laune und weil ich Laufen liebe. Zeitvorgaben nerven mich, strikte Marathonpläne auch. Aber andererseits sollte das doch nun wirklich kein Akt sein, den Marathon zwölf Minuten schneller zu laufen als im letzten Jahr, wo ich einfach nur Spass hatte, genoss, abklatschte und zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, jetzt könnte es schwer werden. Jetzt würde ich halt ein wenig mehr Gas geben und mich an Ulfs Fersen heften, geniessen konnte ich ja dennoch… also los!

Kurz nach dem Startschuss düsten auch wir über die Startlinie und -Überraschung- es machte wieder Spass! Mehr Platz nach vorne, eine tolle Stimmung, viele Zuschauer, die begeistert anfeuerten, genial.

Unsere Pace, etwa 5:20, fühlte sich geschmeidig und gut an, nunja, ein wenig flott, aber nach hinten raus hatte ich dann halt etwas Puffer, also weiter, Yippieh. (OH WEH)

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Die ersten 10 Kilometer verflogen wie Nichts, mein linkes Knie meldete sich zwar plötzlich, aber da es ein mir völlig neuer Schmerz war an dieser Stelle, stellte ich auf taub. Das sollte doch kein Problem werden… Bei Km 15 wanderte der Schmerz hoch und ich merkte, wie unrund ich nun lief. Ein erstes Zähneknirschen meinerseits folgte und ich nervte Ulf ein wenig mit meinen Wehwehchen. Wir wurden langsamer. Immer wieder kamen Punkte, an denen ich mich zusammenriss und anziehen konnte. Ich versuchte, mich nur auf die blaue Linie zu konzentrieren und aus einer Walking Meditation eine Running Meditation zu machen.

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Doch es half Nichts, der Knieschmerz liess nicht nach und die Tatsache, dass mich immer mehr Läufer überholten (Block E, Baby!) , zog und zerrte an meiner Motivation.

Die Halbmarathonmarke passierten wir bei 1:57. Es wurde knapp, war aber im Rahmen, wie Ulf betonte. Nur ich ahnte schon, dass es sehr schwer werden würde heute, sagte aber lieber Nichts. Meine Gedanken schwirrten umher, Zeit genug war ja dafür, also versuchte ich, die Fehler zu analysieren:

-Bin ich nicht genug auf Asphalt gelaufen? (Ich bevorzuge den Waldboden, aber für die langen Läufe bin ich doch auf die Strasse gegangen!)

-Waren es die falschen Schuhe ? (eine neverending-Story, aber in den energy Boost hatte ich doch bisher nie Probleme gehabt)

-Überhaupt, habe ich mich richtig an einen Marathonplan gehalten? (äh jaaa, die wichtigsten Einheiten hatte ich doch eingehalten!)

Ich kam zu keinem Ergebnis und konzenztierte mich dann lieber auf die Outfits der anderen Läufer, eigentlich eine herrliche Ablenkung während eines Marathons, mit vielen Schmunzelmomenten.

Bei KM 26 standen viele Freunde und Liebsten auf der Rheinstraße, so dass dieser Abschnitt wieder weniger weh tat. So ein Stewardessen-Lächeln geht ja immer, egal ob 30 Stunden nicht geschlafen oder 2 Stunden gehumpelt.

Aber dann kam es noch dicker: Meine Muskulatur streikte und die ersten Krämpfe kamen. Da ich noch nie mit Krämpfen kämpfen musste, war das neu für mich und auch die Tatsache, dass man da rein gar Nichts dagegen tun kann. Es fühlte sich an wie eine Kralle, die langsam meinen Oberschenkel (oder die Wade, im Wechsel) umschließt und wenn sie zupackte, blieb mir die Luft weg. Je weiter wir liefen, desto öfter verkrampfte ich, meist nur leicht, zwei oder drei Mal hingegen musste ich sogar stehen bleiben und ausdehnen… Ich verabschiedete mich von meiner Wunschzeit und hatte eigentlich nur noch EINEN Wunsch: Zu finishen, und auf gar keinen Fall aufzugeben. Also bissen wir uns durch.

m13 An dieser Stelle muss ich meinen Dank an alle „Hasen“ da draussen aussprechen, die sich bereit erklären, einen anderen Läufer über eine bestimmte Zeit und Distanz zu ziehen. Wenn es gut und alles nach Plan läuft, macht es sicherlich Spass und bringt Laune. Aber wenn mal nicht, so wie dieses Mal, dann leidet Ihr mit, motiviert, zieht und müsst einiges einstecken.

Bei KM 39 wurde ich kurz zickig, als mir die Kraft für längere Dialoge fehlten, und mein Hase „hoppelte“ beleidigt davon, kam aber zum Glück bald wieder (wieviele km hattest Du eigentlich auf der Suunto? 46?)

Als dann endlich die Zielgerade in Sicht war und das Brandeburger Tor wie schon einige Stunden zuvor uns entgegenstrahlte, waren die Enttäuschung, Schmerzen und Zweifel vergessen. Ich war so froh, mich durchgebissen zu haben und gleichzeitig, wie idiotisch das auch klingt, dankbar für diese Erfahrung. Jeder Lauf, jeder Marathon ist nunmal anders. Egal, wie gut und gewissenhaft man sich vorbereitet, am Tag X müssen so viele Faktoren stimmen.

Nur fünf Minuten schneller war ich als letztes Jahr (also etwas mehr als eine Minute auf 10km), das ist so gut wie Nichts. Und dennoch trennten diesen Lauf und den letzten Welten auf der zweiten Hälfte. Damals hatte ich Spass, Spass, Spass, dieses Jahr Spass, Schmerz, Schmerz ;-). Verrückt.

Mit der Medaille um den Hals und dem Zielbier im Bauch ging es mir dennoch plötzlich wieder blendend. Alles war gut.

m12Und in weniger als 4 Monaten darf ich ja in Tokio starten, da müssen doch wenigstens 4:06 drin sein. Gambatte kudasai! (nicht aufgeben)bm3

 

 

 

 

22 Kommentare zu “Berlin Marathon Melancholia

  1. Wie schon mehrfach erwähnt, hast du gekämpft wie eine Löwin, nach den Schwerzen ist es wirklich nur das FINISH was zählt! Gratulation Maty und immer wieder gern ❤ #suunto meinte nur Ultra;-)

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  2. Podziwiam i gratuluję 🙂 Jestem mega dumna 😀

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  3. Das erinnert mich stark an meinen ersten Marathon im letzten Jahr. Die Schraubzwingen taten höllisch weh. Dennoch war an aufgeben nicht zu denken. Hast dich gut durchgekämpft. Tokyo wird bestimmt wieder ein Genuss mit Spaß, Spaß, Spaß!

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  4. Sieht total flott und sehr gut aus, Kompliment – Berlin – immer einen Marathon wert ! Tokio ist auch nicht von schlechten Eltern, aber wenn man wie du einfach so in der Welt herum kommt, dann würde ich es auch liebend gerne tun ! Super !

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  5. Erinnert mich wieder an meinen Halbmarathon, als ich mit Krämpfen durch Wind und Hagel stapfte. Super durchgezogen liebe Maty. Du kannst stolz sein.

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  6. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Kampfgeist. Sicher gibt es einige, die mit weniger Schmerzen schon längst aufgegeben hätten. Ich wünsche dir viel Erfolg in Tokio und hoffe, dass die Krämpfe dich diesmal verschonen.

    Viele Grüße
    Julia

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  7. Das Wichtigste ist doch dass Du gefinisht hast! Glückwunsch!

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  8. Herzlichen Glückwunsch zum Finish!
    Berlin…Tokio…manch einer wäre froh wenn er es einmal im Leben dorthin schafft und du nimmst die zwei in weniger als fünf Monaten mit…wie geil ist das denn?

    Gute Regeneration und alles Gute für die nächste Vorbereitung. Egal welche Zeit es wird, das Erlebnis zählt; und Tokio ist eine abgefahrene Stadt.
    Ich bin schon ein bisschen neidisch! 😉

    Viele Grüße aus den Bergen

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  9. also bei uns km19 sah alles optimal aus 😀 hätte euch ja mein biergereicht, aber ihr wolltet ja nix 😀 glückwunsch trotzdem, ließt sich auch genau wie mein berlin 2014… 😀

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  10. Wow, was für ein Kampfgeist!
    Ich hoffe, dass ich mir diesen auch behalten kann, wenn ich in nicht ganz zwei Wochen bei meinem ersten Marathon an den Start gehe.
    Ich bin außerdem sehr neidisch, wie frisch und zauberhaft du nach dem Lauf aussahst. Ich sehe nach Wettkämpfen immer total zerstört aus – egal wie lang die Strecke war. 😀

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  11. Du hast unglaublich souverän gekämpft. Wirklich großartig gemacht. Viele hätten aufgegeben. Der nächste Lauf kommt sicher und bei dir ja schon sehr bald. Viel Spaß bei den Vorbereitungen.

    Toll, dass Ulf dich so mitgezogen hat. Wirklich wahr. Hasen müssen manchmal ganz schön einstecken, wenn es mal nicht so läuft. Aber nicht nur Hasen (hust).

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