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running yogini

Ins 2015 hineinmeditieren – warum nicht?

7 Kommentare

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Die Zeit zwischen den Jahren, inmitten der Weihnachts-, Jahreswechsel- und Jahresresümee-Hysterie nutze ich meist, und dieses Mal ganz besonders, um mich zurückzuziehen, durchzuschnaufen, die Dinge sacken zu lassen und sie von aussen zu betrachten. Das ist der beste Moment, das Meditationskissen zu entstauben und endlich wieder regelmäßig zu „sitzen“.

Wenn ich daran denke, wie euphorisch ich vor einigen Jahren das Meditationsretreat verließ und es mir, nach 10 Tagen Dauer-Meditation wie ein Klacks erschien, morgens regelmäßig nur ein halbes Stündchen zu sitzen und die Atemzüge zu zählen, muss ich lachen. Alltag, Kindergarten, JetLag, Trainingspläne, und und und… es gibt so unendlich viele Ausflüchte und Ablenkungen, die ganz wunderbar als Vorwand gelten, keine Zeit für das Meditieren  übrig zu haben.

Dabei ist Meditation nicht nur das Fundament der Buddhistischen Praxis. Es ist mittlerweile mehrfach wissenschaftlich untersucht und bewiesen worden, dass Achtsamkeitsmeditation das Gedächtnis verbessert, das Altern entschleunigt, Ängste oder Depressionen heilt und Schmerzen lindern kann (wenn es Dich mehr interessiert, lies hier oder hier oder hier ). Ausserdem senkt es den Blutdruck, verbessert kognitive Fähigkeiten und führt zu innerer Gelassenheit und Gleichmut. yogi1

Du musst kein „Monk“ sein, um es zu versuchen, warum nicht gleich, jetzt:

*Such Dir eine ruhige, kühle Ecke, in der Du nicht gestört wirst.

*Setzt Dich mit geradem Rücken hin. Ob Du auf einem Kissen oder Stuhl sitzt, ist zunächst nicht wichtig. Auch die formale, korrekte Sitzhaltung zunächst einmal nicht. Die Hauptsache ist, Du sitzt aufrecht und bequem.

*Nun atme langsam und regelmäßig durch Deine Nase. Atme ein, halte kurz den Atem und atme aus.  Fokussiere Dich nur auf dieses Atemrhythmus.

*So, und jetzt wird´s spannend: Fokussiere weiter ohne Anstrengung und Frustration, auch wenn Deine Gedanken ständig wandern. Ich vergleiche sie immer mit wilden Affen, die wie verrückt um Dich herumspringen. Nehme sie wahr, akzeptiere diese Ablenkung, aber leite Dich sanft zurück zum Atemfokus. Dein Verstand wird rebellieren und versuchen, Dich mit allen möglichen Ideen abzulenken, das ist normal. Sei nicht frustriert, sondern gehe jedesmal entspannt zurück zum Atem. Mir hat es geholfen, die Worte „Einatmen – Ausatmen“ gedanklich zu wiederholen und mich so zu konzentrieren.

*Tue dies so lange, wie es für Dich angenehm ist. Dies können anfangs nur einige Minuten sein, zehn bis zwanzig sind später ideal. Es gibt hier jedoch keine Zielvorgabe. Je verbissener jedoch Du es versuchst, desto schwieriger wird es.

*Deine ersten zwei Lebensjahre lebtest Du in dieser Achtsamkeit und Du kehrst einfach zu diesem natürlichen Zustand zurück. Und mit jedem Mal wird es einfacher.

Das war´s. So einfach und doch so schwer. Wenn es Dir mit der Zeit gelingt, den Zustand der Achtsamkeit auszudehnen, gehst Du aus der Meditation ausgeruht hervor, siehst viele Dinge klarer, bist enstpannter.

 

Im Grunde ist jede Tätigkeit, die wir in Achtsamkeit ausführen, eine Form von Meditation.

Und so habe ich die in buddhistischen Klöstern oft praktizierte Geh-Meditation auf das Laufen ausgedehnt. Nicht jedes Mal, doch wenn ich alleine und in der Natur laufe, versuche ich für eine ganze Weile, diese Form der Konzentration durchzuführen. Ich laufe. Und nur das. Ich nehme meinen Atem wahr; spüre jeden Schritt; meine Fußsohlen, die abrollen, meine Arme, die sich im Rhythmus bewegen; meine Haut, die zuerst kalt, dann warm und schließlich schweißnass wird; jedes Zipperlein, das sich manchmal einstellt; ich scanne den Körper durch, nehme alles wahr, werte es jedoch nicht, kehre zurück zum Atem und laufe weiter. Manchmal gelingt mir dies besser, manchmal schlechter. Manchmal schaffe ich es, die Gedanken in Zaum zu halten, dann wieder weniger, zu viel beschäftigt mich. Doch wenn es mir gelingt, ist nach dem Lauf der Kopf frei und erholt. Probiert es aus!schnee

 

Sakyong Mipham,  ein buddhistischer Geistlicher, geehrter Tibetischer Lama und Führer von über 200 buddhistischen Zentren ist nicht nur ein spirituelles Vorbild für viele Menschen, sonden nebenbei ein passionierter Marathonläufer. Wenn er seine orangefarbene Mönchsrobe gegen Laufshorts, -shirt und NewBalance-Schuhe tauscht, spricht er gern über „Tempoläufe“, „Bergtraining“ oder „Fartlek“. Er praktizert das Meditative Laufen und veröffentlichte das Buch *Running with the Mind of Meditation*. Er glaubt, dass meditatives Laufen nicht nur den Geist beruhigt, sondern auch die Läuferische Leistungsfähigkeit verbessern kann. „Wenn Du läufst, hast Du gelegentlich hier und da kleine Schmerzen, doch vieles davon ist mental. Trainierst Du Deine Gedanken, gewinnst Du Vertrauen und Zuversicht in Deine Stärke.“sakyong

Und mit seinen Worten wünsche ich Euch ein grandioses Jahr 2015 voller achtsamer Momente:

„Running is not simply slogging through the miles, trying to sweat out last night´s good times, or burning off excess weight. Rather, it is a way to celebrate life“

 

 

Photo Credits: Sakyong.com sowie Panatmasam.tumblr.com. Many thanks!

7 Kommentare zu “Ins 2015 hineinmeditieren – warum nicht?

  1. Maty! Du bist grandios. Lieben Dank für diesen wunderbaren, inspirierenden, motivierenden und anregenden Post. Wer mir Meditation mit Laufen erklärt, hat gewonnen. Also gut, ich werde es probieren und es auch in mein Trainingstagebuch eintragen. Nicht, dass es wirklich Training wäre, aber so weiß ich am Ende des Jahres, ob es geklappt hat. Meinen regenerativen Lauf ein Mal die Woche, werde ich auch versuchen so anzugehen. Liebste Grüße.

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  2. Vielen Dank für Deinen Beitrag, der mich noch mehr dazu animiert, meine Erlebnisse und Empfindungen während des Laufens achtsamer wahrzunehmen .Ich vermute, dass viele Läufer einen meditativen Zustand nahe kommen, sie aber als solche nicht erkennen oder bezeichnen. Für mich stellt sich die Frage, ob gesteigerte sportliche Ambitionen eine intensive Meditation während des Laufens ausschließen?

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    • Darüber habe ich eine Weile nachgedacht, liebe Martina, aber ja, ich denke, dass man in besonders anstrengenden Laufeinheiten am wenigsten abgelenkt ist. Man spürt in sich hinein, nimmt den rasenden Puls wahr, die übersäuerte Muskulatur, den schnellen Atem und hält durch, überwindet die Krise und atmet sich zum Ende des Intervalls. Meditation pur 😉

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  3. Pingback: Training Januar 2015 – Kraftvoll alles in die richtigen Bahnen lenken | Eiswuerfelimschuh's Blog

  4. Pingback: Laufen & Meditieren | Laufbahn1

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