Run and Ommm

running yogini

Motivationsknick (jetzt wird’s persönlich)

13 Kommentare

grey2Mal läuft das Leben smooth und nach Plan A, und dann kommt ein Moment, an dem die Welt still steht, der eigene kleine Mikrokosmos eine irre Achtebahnfahrt fährt und man so aus der Bahn geworfen wird, dass Dinge, die sonst eine Selbstverständlichkeit sind, nicht mehr funktionieren.

Ich habe die letzten Wochen und Monate mein geliebtes Run&Ommm komplett aus den Augen verloren. Viel zu viel Kraft war nötig, sich selbst nicht zu verlieren in dem Wirrwarr aus Zukunftsentscheidungen, Grübeleien und Reflexionen. Ich musste Plan A über Bord werfen und mich für B-Z entscheiden. Schwer, wenn das Herz eigentlich nur „A A A!!!“ schreit und es keinen Weg zurück zu geben scheint.

Meine Laufschuhe schnürte ich immer noch fast täglich. Doch ich war ohne Uhr, ohne Plan unterwegs. Die Intention, sich zu verbessern, an eigene Grenzen zu gehen und diese zu überschreiten, rückte in weite Ferne. Ich lief nur noch vor mich hin, ach was, ich trottete im Schneckentempo und nutzte jede Gelegenheit, Enten zu beobachten, Steine wegzukicken, in die Ferne zu starren. Einfach vor sich hinlaufen, mehr nicht.

greySchnell stagnierte meine Laufleistung, und schon bald wurde ich langsamer  und hechelte vor mich hin. Den Berliner Halbmarathon lief ich über zehn Minuten langsamer als geplant halfund musste mir eingestehen, dass selbst der beste Hase der Welt Nichts nützt, wenn das Tempotraining ausgefallen ist.

Meine Yogamatte starrte mich über Wochen vorwurfsvoll an und setzte Staub an. Hey Yogini, wach endlich auf aus Deinem Dornröschenschlaf!!

yogamatte

Der Mensch ist voll von Sehnsüchten, Begehrlichkeiten, Wünschen und Träumen. Buddha sagt, dass Nichts von Dauer und Alles vergänglich ist. Er sagt, dass wir von diesen Begierden, deren Nichterfüllung uns das Leben schwer macht, Abstand wahren müssen, erst dann werden wir unser Leben von allein ändern. Leben ist Leiden (Dukkha दुःख) und sich frei machen davon ist Erlösung. Und auch wenn ich all die Bücher gewälzt und studiert habe,buddha1 mir die besten Passagen grell markiert und immer wieder in die Hand genommen habe, dauert es eine Weile, bis eine Essenz dessen überhaupt in meinem Kopf angekommen ist. Hey Buddha! Ja, ich hab´s verstanden, ich soll mich frei machen von meinen Träumen. Aber trotzdem, f*** You! Das ist schwer.

Ich habe überlegt, das Bloggen zu lassen, weil der Mensch, der mich dazu motiviert hat, fehlt. Ich habe überlegt, alle Wettkämpfe abzublasen, weil der Mensch, der mich zu diesen motiviert hat, fehlt. Dann aber wäre “Teamnevergiveup“ ein leeres Wort gewesen und Alles was mich in den letzten Monaten und Jahren bewegt und leidenschaftlich begeistert hat, eine Lüge. Laufen und Yoga sind Teil meines Lebens, und beides lehrt mich, nicht aufzugeben, auch in schmerzhaften Momenten, wenn der Hammermann beim Marathon zuschlägt oder die Arme beim Chaturanga zittern, wenn Träume zerschlagen und das Leben neu organisiert werden muss. free

Einen Schritt vor den anderen setzen, die Beine machen lassen. Oder sich durch die Asana durchatmen, sich spüren, den Schmerz aushalten und beobachten, wie er langsam vergeht. Atmen, laufen, atmen, laufen. So einfach.

breathIch weiss im Augenblick zwar noch gar nicht, wie ich die bevorstehenden Läufe, allesamt Ultras auf die ich mich so gefreut habe, mit meinem jetztigen Traingsstand überleben soll. Aber ich gehe ohne Erwartungen heran und gebe mein Bestes. Frei von Dukha.  #nevergiveup #atmenatmenatmen und #einenfussvordenanderen.

Das Wichtigste ist wohl, den eigenen Weg nicht zu verlieren, ihn beständig weiterzugehen und die Leichtigkeit dabei nicht zu verlieren.

Und wenn unglaubliche, fantastische Menschen Dich ein Stück auf diesem Weg begleiten, ihre Hand zu nehmen und zusammen zu tanzen.

 

friends

To be a spiritual warrior, one must have a broken heart; without a broken heart and the sense of tenderness and vulnerability that is in one’s self and all others, your warriorship is untrustworthy.    -Chögyam Trungpa

13 Kommentare zu “Motivationsknick (jetzt wird’s persönlich)

  1. Run & Ommm .. !!!
    Toller Post Maty. Danke dafür.

    Gefällt 1 Person

  2. Alles Gute, liebe Maty! Lass‘ den Kopf nicht hängen!

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo,……, schön geschrieben, mitten aus dem Leben, jeder von uns durchläuft weniger gute Phasen im Leben, das Gute daran, man lernt daraus und vor allem

    “ Laufen und Yoga sind Teil meines Lebens, und beides lehrt mich, nicht aufzugeben, auch in schmerzhaften Momenten, wenn der Hammermann beim Marathon zuschlägt oder die Arme beim Chaturanga zittern, wenn Träume zerschlagen und das Leben neu organisiert werden muss. “

    Sag‘ ich doch, das Leben ist laufenswert – gut für Körper, Geist und Seele.

    Subtropische Grüße von der Ostsee 😎

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Maty,
    meine Yogalehrerin sagt am Anfang der Stunde immer „Du musst hier nichts erreichen. Achte auf Dich und Deine Grenzen!“ Das heißt nicht, dass wir nicht unsere Wohlfühlzone verlassen sollen, aber es nimmt so viel Druck und vielleicht brauchst Du das auch gerade.
    Ich wünsche Dir, dass Du die richtigen Entscheidungen für Dich triffst. Sei wohlwollend und nicht zu hart zu Dir.

    Ganz liebe Grüße
    Sandra

    Gefällt 1 Person

  5. Liebe Maty,

    Tempo und Leistung ist doch völlig unwichtig. Wichtig ist es, (wieder) zu sich selbst zu finden, an sich selbst zu glauben und der eigenen Stärke zu vertrauen. Ein Marathon ist ein Marathon, ein Ultra ist ein Ultra, egal in welcher Zeit. Ankommen und Willensstärke, sich über schwere Zeiten hinweg zu retten. Das ist wichtig. Der Rest kommt ganz sicher wieder und zwar ganz von alleine.

    Gefällt 2 Personen

  6. wie heißt es doch so schön, alles wird gut. ich würde dich an die hand nehmen und mit dir über die ziellinie tanzen und wenn wir so richtig gut drauf sind, schmeißen wir noch eine portion konfetti 😉

    Gefällt mir

  7. Das ist ein schöner Post, bedropst und doch voller Hoffnung. Nach meinem geplanten Ziel, dass ich um Lichtjahre verfehlt hab (das zu erkennen war auch nicht schön), laufe ich am Himmelfahrtswochenende in Oberstorf. Einfach nur so, weil‘ s da so schön sein soll. Dann denk ich bestimmt an dich. Liebe Grüße aus Haribo- town:o), Linda

    Gefällt mir

  8. Sehr schön geschrieben und der wichtigste Hastag #einenfussvordenanderen gilt für das Laufen und das Leben.
    Es geht weiter und Druck aufbauen muss nicht sein. Wünsche Dir viel Freude an all dem was da kommen mag, ob beim Ultra, auf der Yogamatte und im Leben.

    Gefällt 1 Person

  9. Liebe Matylda, gerade habe ich dich im Internet gesucht und deine Seite gefunden. Ich bin schwer beeindruckt.
    Schade, dass wir uns so aus den Augen verloren haben. Ich denke sehr oft an dich und trage dich fest in meinem Herzen. Ich lebe inzwischen in Hamburg. Zusammen mit Noa, sie ist inzwischen 13. Meinem Nachzügler Bennet, gerade drei geworden. Und mit meiner Jugendliebe Illja. Wenn du Lust hast, schreibe mir doch mal auf meiner Mail-Adresse kerstin.kropac@me.com. Ich würde mich sehr freuen, von dir zu hören! Demnächst bin ich auch mal in Berlin. Vielleicht sehen wir uns?
    Alles Liebe,
    deine Kerstin

    Gefällt mir

  10. Hey, kannte deinen Blog noch gar nicht … eben durchgescrollt und mich für diesen Post entschieden und dankbar mich dafür entschieden zu haben. Wundervoll geschrieben und so wahr. Ich wünsche dir alles Gute – du packst das! #onestepatatime Liebe Grüße Steph

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s