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Squamish50 – „Trails of Awesomeness“

10 Kommentare

Als im letzten Jahr klar wurde, dass die Teilnahme am Transalpine Run 2015 mit dem ersten Schultag meines kleinen Mannes kollidieren würde, suchte ich nach einer Alternative, die mein Trailläuferherzschmerz mindern könnte, denn eins ist klar: family comes first, der TAR kann warten. Und ausserdem hatte ich da einen genialen Bericht von uptothetop-Steve gelesen (lasst Euch hier von Steve anstecken), ein Traillauf in der Gegend meines geliebten Vancouvers? Gebongt, gemeldet, gefreut!

Je näher der August rückte, desto nevöser wurde ich, da Nichts in diesem Jahr so wirklich klappen wollte, und besonders mein Fuss, der mich mit einer entzündeten Sehne ärgerte, kaum Training zuliess. Also meldete ich schweren Herzens kurz vorher auf die niedrigste Distanz (23k) hinunter, da ich um jeden Preis wenigstens die Trails genießen, die Stimmung aufsaugen und ansonsten einen guten Tag erleben wollte… Ein Halbmarathon und 1200 Höhenmeter gehen irgendwie immer, auch mit schmerzendem Bein, und ich wusste schon vorher, dass mich das „Berg-Adrenalin“, welches mir schon einige Male ein dämliches Grinsen ins Gesicht gezaubert hat, Alles andere vergessen lässt.

Schon beim Anflug auf Vancouver wusste ich: Alles richtig gemacht. Ich drückte mir die Nase an der Cockpitscheibe platt und es kamen nur „Aaahs!“ und „Ooohs“. Was für ein Panorama, Captain, hier landen, bitte!

sq23sq22Ich verabschiedete mich von meiner Crew noch am Flughafen und düste zur Autovermietung, wo mein Chevrolet auf mich warten sollte… Ich trippelte nervös mit den Füßen, denn viel Zeit hatte ich nicht. Der Plan war, sich einige Stunden hinzulegen, um dann früh morgens ins eine Stunde entfernte Squamish zu fahren, um die Startunerlagen zu holen. Doch der gute Herr hiner dem Tresen hatte alle Zeit der Welt und fragte mich Löcher in den Bauch. Wieso ich Flugbegleiterin nach einem Langsteckenflug noch Auto fahren will, wohin und überhapt, wieso in die Berge? Ich erklärte ihm, dass er wohl nicht wisse, in welcher Traumkulisse er lebe. Daraufhin antwortete er mit einem Schnalzen, er hätte da ein passendes Auto für mich, quasi ein Upgrade aufs Haus. Ich traute meinen Augen nicht: Dieses Wrangler-Schätzchen sollte mich die nächsten Tage begleiten? So yeah.

Ich hievte meinen Koffer hinein, kletterte in den Jeep (nicht einfach in der Uniform), gab Gas und wusste schon jetzt, dass mir der Abschied von diesem Gefährt sehr, sehr schwer fallen würde… Also fix ins Hotel, die Laufsachen bereitlegen und einige Stunden aufs Ohr hauen.

sq18Noch in der Dämmerung des nächsten Morgens fuhr ich los in Richtung Squamish, was mir schön leere Strassen und einen fantastischen Sonnenaufgang bescherte. Auf einem großen Parkplatz eines stillgelegten Hafens (danke an den Trailtourist für die Wegbeschreibung, ich wäre umgedreht!) parkte ich schließlich und wartete zitternd mit anderen Läufern auf die Shuttlebusse, die uns zum Start bringen sollten. Die Stimmung war trotz des Fröstelns sehr gut und wurde besser, als ich die Busse sah: Schulbusse, wie cool… das machte die Klassenfahrtstimmung perfekt.

 

sq16Wir fuhren in Richtung Quest University, wo der Startbogen bereits aufgebaut war und gesellten uns zu den übrigen Läufern. Ich holte fix meine Startunterlagen und merkte in der Hektik nicht, dass mein Beutel verwechselt wurde. So startete ich kurzerhand als ein gewisser Richard, während hinter Maty ofiziell ein DNS stand. Das konnte man allerdings später im Ziel klären, als man stutzig wurde,dass Richard ein Laufröckchen trug. Na zum Glück…

sq7sq8Gary Robbins, der Organisator des Rennens, hielt zehn Minuten vor dem Start sein Racebriefing, und das in einer sehr lockeren Art. Auf die pinken Bändchen sollten wir achten und nicht vom Weg abkommen, da am Tag vorher drei Bären gesichtet worden sind. Ich erstarrte, aber außer mir schien dies niemanden sonst zu beeindrucken, anscheinend warn drei Bären nichts Ungewöhnliches in der Gegend. Nun gut, ich würde sicher die Trails nicht verlassen! Überhaupt gefiel mir die Stimmung bisher sehr gut, die Atmosphäre war sehr familiär und entspannt. Ich kam mit einigen Leuten ins Gespräch, traf einen Deutschen in der Dixiekloschlange und machte Pläne mit einer Amerikanerin für das nächste Jahr (see You at the Transalpine Run, Kate!).. Und da kam auch schon der Startschuss! Da ich meinen Trainingszustand kannte und den Lauf lieber genießend finishen wollte, reihte ich mich vorsichtshalber recht weit hinten ein.

sq9Wir rollten los und nach einem ersten Hügel, der uns aus dem Universitätsgelände herausführte, befanden wir uns schon auf dem Climb Trail. So fix und so genial. Von diesem Moment an ging es die nächsten 9 km stetig bergauf, ich hatte das Gefühl, niemals den Puls senken zu können, andauernd wurde gestiegen. Doch ich fand mein Grüppchen, mit dem ich gut mithalten konnte und wir wechselten uns mit der Führung immer wieder ab, zwischendurch wurde ob der Traumaussicht geseufzt (zum Quatschen fehlte die Puste). Die Wälder von Squamish sind wirklich beeindruckend und all die Bilder, die ich vorher online verschlungen hatte, verprachen nicht zu viel: Es war Trailer-Herz-öffnend! Immer wieder Momente, in denen ich Demut vor der Natur spürte und am liebsten hier und jetzt mein Zelt aufschlagen und campieren wollte. Da ein Wasserfall, dort Mammutbäume…

sq4Zwischendurch ging es hinein in den Wald und wir rannten immer und immer wieder über die bekannten Holzbrückchen, bei denen man auf jeden Schritt achten musste: Es quietschte und knarrte und hier und da fehlte auch mal ein Brett.

sq3Weiter ging es auf den Singletracks über einen kurzen Downhill des Fool´s Gold, auf dem ich einige Plätze gut machen konnte, da niemand wirklich Lust hatte zu beschleunigen. Merkwürdig. Iiiihaaaaaah!! Es folgte die Darwin´s Bridge und ein kurzer, aber steiler Aufstieg, der uns wieder geniale Ausblicke bescherte.

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Ich musste dann noch schnell ein Bild von einem knuffigen Mitläufer machen, der uns eine Zeit lang verfolgte, aber recht bald überholte. Baumwollshirt und -Shorts, Tennissocken, kleine Handflasche, weiter Nichts, kein Schnickschnack. Ein dicker Bauch, ein langer Bart und richtig gute Laune, auch wenn er ordentlich schnaufte. Er pfiff vor sich hin und überholte uns mit einem „´xcuse me, Ladies“ stampfend, aber zielstrebig. Ich stellte mir vor, er wäre ein Holzfäller aus der Gegend und kannte weder Trailmagazine noch Compressionsocks, dafür aber richtig gute Traillaune. Symbolisch stand er für mich für weniger Verbissenheit, weniger Materialschlacht und mehr Back-to-the-Roots, was mir sehr gefällt.sq11Die Kilometer vergingen wie im Flug. Die erste VP habe ich gar nicht richtig wahrgenommen, die zweite kam wie gerufen, da sich Krämpfe anbahnten und ein Cola-Salz-Gemisch wie gerufen kam. Doch schnell wollte ich weiter auf den Pipe Trail, den Mountain Of Phlegm und schließlich zum Ausblick auf den Garibaldi (das Logo des Squamish50-Rennens). Eine letzte fette Steigung bei Kilometer 18, die nicht enden wollte, ein Downhill und schon spuckte uns der Mountain of Phlegm aus in die Smoke Bluffs…sq12Schade, denn jetzt wusste ich, dass mir flache 3 Kilometer durch das Städtchen bevorstanden und der Spass bald ein Ende habe sollte. Ich war fast enttäuscht, andererseits auch einverstanden, dass ich nicht die doppelte oder dreifache Distanz laufen würde. Dies dann beim nächsten Mal als Team und im trainierten Zustand.

Nur noch eine lange Asphaltstrasse hinunter und schon bald kam der kleine Rose Park, wo Gary am Zielbogen wartete und traditionell jeden Finisher mit einer Umarmung erwartete. What a galactic race You created, Gary! Awwweeesome!

sq20Ich bekam meine Medaille, klatschte ab, holte mir mein Bier und setzte mich unter einen Baum, um die Stimmung im Ziel und die nächsten Finisher, des 23- und des 50k-Rennens, zu beobachten. Auch hier ging es freundschaftlich familiär zu. Es wurden Burger gegrillt, Kinder warteten auf Ihre Eltern im Ziel, zwischendurch eine lockere Siegerehrung.

sq19Squamish50 steht auf meiner Liste ganz, ganz weit oben und der 50-Miler oder gar der 50/50 auf jeden Fall und mit großer Vorfreude auf meinem Wunschzettel. Es wird schwer sein, den nächsten August zu planen, wenn auch noch dieses Event hinzukommt.

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Ich legte mich bald darauf ins Auto für ein kurzes Nickerchen, um abends noch am Film Fest (Trails in Motion) teilzunehmen. Begleitet vom Ginger Runner Ethan Newberry, der später vom Training für seinen ersten 100-Meiler erzählte,  wurden 6 Filme über Läufer und Trails gezeigt, die den perfekten Ausklang dieses Abend bildeten. Und obwohl ich jede Minute genoss, machte sich in dem dunklen Kino langsam Müdigkeit in mir breit, und der Jetlag durch die 9 Stunden Zeitdifferenz zwang mich schweren Herzens zum Aufbruch. Ich verließ Squamish voller Versprechen wiederzukommen und wie auf Bestellung gab es als Abschiedkuss einen kitschigen Sonnenuntergang, oooorrrrr…

(kurz unterbrochen durch Sekundenschlaf und einen Zusammenstoß mit dem Brückengeländer: was für ein Glück, dass ich einen massiven Jeep fuhr, der unbeschadet weiterfuhr. Ein Hoch auf meinen AVIS-Händler!)

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Reisfacts: Das 8000km entfernte Vancouver, welches für seine Nähe zur Natur bekannt ist, ist an sich ist schon eine Reise wert, Linienflug gerne mit der Lufthansa und ihren bezaubernden Flugbegleiterinnen, die den 10- Stunden-Flug vergessen machen ;-). Von Vancouver aus ist es eine Stunde Fahrt nach Squamish. Ausserdem einen Besuch wert sind Grouse Mountain, Deep Cove, Bowen Island. Einzupacken sind Trailschuhe, Rucksack und eine Kamera mit viel Speicher. Ich kenne wenige Flecken auf der Erde, die dermassen naturverbunden sind.

10 Kommentare zu “Squamish50 – „Trails of Awesomeness“

  1. Woooooooooooooooooooooooooow 😍

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  2. OMG – wenn Vancouver nicht so weit weg wäre und ein Flug für Normalsterbliche nicht so kostspielig wäre, ich würde uns sofort anmelden. Danke für deinen tollen Bericht und die schönen Bilder!

    Ich war 2002 einige Monate in Toronto, habe von dort aber nur Montreal, die Niagara Fälle (ja klar!) und einiges in Nova Scotia gesehen. Seitdem steht Kanada aber ganz weit oben auf meiner Wunsch-Reiseliste, vielleicht schaffe ich es ja doch noch mal dahin!

    Liebe Grüße
    Katrin

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  3. Oh yeah, oh yeah, oh yeah!
    You smashed the Squamish-Trails!

    Danke für deinen tollen Bericht. Das macht das Jahr ohne Squamish erträglicher. 😉

    Dann würde ich mal sagen, sehen wir uns nächstes Jahr auf den Trails of awesomeness!

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  4. Orrrrrrrrrrr NO! Nicht noch mehr Ideen für August…

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  5. Wahnsinnig schön! Danke für den tollen Bericht!

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  6. Ohhhhhhhh… soooo schöne Bilder und ein so schöner Bericht! Ich will auch!1111!!!!!!

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  7. Ich glaub ich hab mein Land zum Auswandern gefunden. Kanadaaaa ich komme!!!!!!!

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  8. Sehr coole Eindrücke Maty. Vancouver und Umgebung scheinen glatt eine Reise wert. Danke, das kommt in unseren Reisethemenspeicher 🙂

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  9. Sehr cooler Bericht und mal wieder beeindruckende Bilder! Bin gespannt auf Deine nächsten Abenteuer 🙂

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  10. Nein wie unfassbar, Maty. Ich war so mit aufgeregt, als es endlich für dich so weit war. Großartig, dass du das auf dich genommen hast. Sicher eine Erinnerung für’s Leben – sagt man ja gern mal – aber in diesem Fall ganz bestimmt so. Die Eindrücke sind ja spektakulär und das Rennen sicher ein Traum. Ich kenne die Videos vom GingerRunner und Squamish hatte es mir schon allein wegen der Holzbohlen angetan 😉
    Einfach nur ein Traum. Glückwunsch zu diesem grandiosen Finish.

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