Run and Ommm

running yogini

Dieses Ultratrail-Dings.

18 Kommentare

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Ein gemütlicher Abend Anfang Dezember. Ich plante seit Tagen das kommende Laufjahr. Kritzelte, tippte, checkte Anmeldefristen, verglich, hibbelte herum. Und dann das:

„Du willst einfach mehr, als Du kannst. Die Ultras dieses Jahr hast Du doch nur mit Ach und Krach geschafft. Wie willst Du dann all diese weiteren Rennen schaffen…?“

Stille.

Oh! Diese Worte, und das aus dem Hals des Menschen, der mich sonst immer so motivierte! Der Kloß in meinem Hals wuchs, ich spürte trotzige Tränen aufsteigen und versuchte, sie zu unterdrücken. Tatsächlich fühlte ich mich wie ein kleines Kind, dem das Lieblingsspielzeug weggenommen wurde.

Dieses Ultratrail-Dings. Es beschäftigt und begeistert mich 365 Tage im Jahr. Ich lese, sauge auf, kommentiere, diskutiere, plane. Ich träume, sortiere Bilder, trage Rennen in den Kalender, nur um nachts die Resultate zu lesen und meinen Favoriten die Daumen zu drücken. Hat es Emily geschafft, oder doch die fantastische Mira Rai? Schafft es, Scott Jurek den Rekord zu knacken, und wie ist das Wetter beim Tor des Geants? Muss das Rennen abgebrochen werden? Für manche ist es die Bundesliga, für mich die Ultralauferei. Es ist meine Leidenschaft. Und dass ich da auch mitlaufen will, muss, ist fast schon selbstverständlich.

Sicher ist so ein Ultra-Lauf mit mehreren tausend Höhenmetern kein flacher Stadtmarathon. Ich war im Bayrischen Wald beim UTLW 9 Stunden unterwegs, beim Zugspitz-Supertrail sogar 10. Und damit wird klar, dass ich nicht zu den Granaten gehöre, die jemals Treppchenluft schnuppern werden. Aber darum geht es hier auch nicht.

Lizzy Hawker sagte in ihrem Buch „Runner“ ganz klar, wie ich es empfinde:

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Es geht nicht um Medaillen oder Podiumsplätze, es geht um die Emotionen, die man nur versteht, wenn man an solchen stundenlangen Rennen teilgenommen hat: Tränen und Lachen liegen dicht beieinander  (das hat mein armer Teampartner schon zu spüren bekommen), Angst, Sorge, Zuversicht, Stolz. Und da geht es den Schnellsten genauso wie den Langsamsten.

All die Gänsehautmomente, die ich während eines Ultralaufs erleben darf: Die Aufregung vor dem Start, der Zusammenhalt unter den Läufern, die Landschaft und schier unberechenbare Natur, die sich in den Bergen von einem auf den anderen Moment verändert, die eigenen Krisen, die man unterwegs erlebt und dann wieder meistert. All das sind die Gründe, warum ich diese Herausforderung immer und immer wieder suchen werde.

UTMB, Transalpine, Hardrock, Western States sind Träume, die in weiter Ferne liegen, aber auch nicht unrealistisch sein müssen. Der Weg, mich langsam an die 100km oder gar Meilen heranzutasten, ist das Ziel. Und genau auf diesen freue ich mich unglaublich.

Scheitern erlaubt, Aufgeben nicht.

Ich kann es kaum erwarten, mit mir nahen Menschen über die Trails dieser Welt zu springen, jeden Moment aufzusaugen (die Cut-Off-Zeiten natürlich nie aus den Augen verlierend 😉  ), die eigenen Grenzen zu spüren und zu überschreiten.

Ich möchte 2016 den Lamen Winkel (weil’s so schön war) noch einmal laufen, über die Zugspitze schlittern, die Kanadischen Wälder pflügen, oder -so der Losgott will- im heiligen Chamonix nach der Kinderdistanz OCC glücklich einlaufen… Und Ende nächsten Jahres wieder so im Planmodus sitzen, mit Teepott und vielen Notizzetteln in der Hand und auf die Frage, wie ich denn bitte DIESE  nächsten Herausforderungen meistern will, antworten:

Keine Ahnung, ich tu’s einfach. Bist Du wieder dabei? ❤

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Was plant Ihr nächstes Jahr? Gibt es Herausforderungen, die Euch nicht loslassen, die Euch aber Angst machen? Dann sind sie genau richtig!!! Dann los!

 

18 Kommentare zu “Dieses Ultratrail-Dings.

  1. Toller Text Maty, du sprichst mit aus der Seele. ❤

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  2. Immer wieder gern, was für eine Frage 😉 und so toll geschrieben, dein Teampartner ❤️ #teamtrailandommm

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  3. Wirklich ein schöner Artikel. Und wie heißt es so schön, lieber etwas versuchen und scheitern, als es niemals versucht zu haben.

    Visionen habe ich sehr ähnliche, aber noch viel weiter weg als bei dir :D. Hoffe nächstes Jahr erstmal auf der Marathondistanz durch zu kommen. Aktuell suche ich da auch noch etwas den inneren Antrieb.

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  4. Genau diesen Satz habe ich mich selbst gefragt. Jetzt hast Du Dich dieses Jahr bei den kleinen Spielereien selbst kaputt gesportelt … und nächstes Jahr willst Du noch was drauf legen?

    Je tiefer man in der Materie steckt um so mehr geht man an seine Grenzen. Der Hobbyläufer von nebenan geht selten an seine Grenzen, er läuft und danach ist alles gut. Wenn man aber ständig in der Ausdauersportsphäre herumgeistert ist man deutlich eher bereit die Grenzen auszuloten, weil ständig irgendwelche Menschen einem beweisen, dass es doch geht.

    Irgendwo in dieser Grauzone sollte man den Weg zwischen Grenzerfahrung und bewusster Überforderung finden. Ich drücke Dir die Daumen, dass Deine Ziele für Dich fordernd aber erreichbar bleiben. So lange es Spaß macht ist alles im grünen Bereich und so lange man auch für sich selbst scheitern darf um so mehr.

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    • Sehr gute Worte, danke!!!!! Ja, man sollte auf jeden Fall realistisch bleiben und seine Grenzen kennen, zumal wir keine Profis sondern Hobbysportler mit Privatleben sind. Dennoch möchte ich am Ende zurückblicken und sagen können: Du hast Deine Träume gelebt und bist Deinem Herzen gefolgt.

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  5. 100%
    Danke für diesem tollen Beitrag.
    Das Zitat mag ich auch sehr gerne.

    Dann sehen wir uns beim UTLW 😉

    Viele Grüße aus den Bergen und noch eine schöne Vorweihnachtszeit

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  6. Zu dem Kommentar von Daniel passen wohl auch meine Ziele. Ich möchte in 2016 das erste Mal Ultraluft schnuppern und im September die „kleine“ Distanz beim Goldsteig Ultrarace laufen. Der Weg dahin wird mich wohl über den Rennsteig und die Zugspitze führen und vielleicht ein Rennen in Bosnien. Herausforderungen und Angst kommen also im neuen Jahr nicht zu kurz, aber damit bin ich ja nicht allein 😉

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  7. Das hat der (Team)partner wirklich gesagt? Er hat sicher nicht ganz Unrecht und du die richtigen Schlüsse gezogen. Also alles richtig gemacht. Nun denn, auf ein neues.

    Und der Spruch von Lizzy ist genial, bringt es auf den Punkt.

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  8. Die Einleitung hat mich erst ein mal sprachlos gemacht, Maty. Hatte ich nicht erwartet, vom Team Partner 😉

    Und gerade das, wie du dir die Realität vor Augen führt und die nächsten Schritte, realistisch, planst, ist das, was uns Ultras auszeichnet.
    Immer fordernd, nie überfordernd, immer realistisch.

    LG vom Gnü, auch an den Trainingspartner

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    • Liebe Grüße zurück, Peter! Ich schätze an meinem Teampartner andererseits, dass er realistisch bleibt und hinterfragt, sollte ich mal wieder „abheben“. So ergänzen wir uns bestens und ich bin doppelt angespornt, es ihm zu beweisen, lach! Frohe Festtage für Dich!

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  9. Dieses Ultra-Dings ist schon etwas Besonderes. Letztes Jahr habe ich in Rodgau noch bei km 44 den René überholt – und der hat mich noch angefeuert! Auf den kürzeren Distanzen unvorstellbar.

    Viel Spaß und Erfolg im nächsten Jahr.

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  10. Hach, schöne Worte. Wir können dich alle sehr gut verstehen. Allein dieses Wort hat schon etwas Magisches an sich. Respekt und Vorsicht sind sicher gut und notwendig, Zweifel und Angst braucht es nicht. Du wirst deinen Weg gehen und deine Ziele erreichen. Vielleicht sehen wir uns ja beim TAR?

    LG Marek

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    • Lieben Dank, Marek!!! TAR ist auf jeden Fall auf meiner großen Wunschliste, nur muss man für die 8 Tage glatt Jahresurlaub opfern, dieses Jahr werde ich es wohl nicht schaffen, leider… Aber wir sehen uns sicher auf einem der Trailabenteuer! ;-D

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