Run and Ommm

running yogini

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

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Enlight1Neulich abends sortierte ich mal wieder Bilder aus und entrümpelte meinen überquellenden Foto- und Erinnerungsordner, da er sich so langsam nicht mehr schließen ließ. Ich neige dazu, alle Kleinigkeiten und Schnipsel, die mich an Wettkämpfe, Läufe und Reisen erinnern, aufzuheben, bis es eben nicht mehr geht und der Papiercontainer ruft.

Bis mir das Foto von meinem ersten Marathon in die Hände fiel. Und auch das Zielfoto des allerersten Halben sowie meines ersten Ultralaufs. Diese Erinnerungen sind so kostbar und wichtig, einmalig und motivierend, dass ich sie immer aufheben werde. Und ich kenne kaum Personen, die keine ach, so teuer erstandenen Bilder ihres ersten großen Wettkampfs in der Schublade haben.

Ich schaute das Bild lächelnd, fast wehmütig an. Wie ernst ich da schaute, wie hochkonzentriert… Ich kann mich noch an jede einzelne Minute erinnern: Die Spannung in den Tagen davor, die immer größer und größer wurde. Die Nervosität in den letzten Minuten vor dem Startschuss, die ängstliche Erwartung während des Rennens, dass doch nun bald aber der große, allseits bekannte Mann mit dem Hammer auftauchen müsste; nicht umsonst wurde ich vor ihm gewarnt. Und dann das zaghafte Lachen nach rechts und links, je näher das Ziel rückte. Die Gefühle, Emotionen im Ziel: ich war Marathoni, ich war ein anderer Mensch, endlich geschafft!! Nach Wochen der Ungewissheit, ob das wenige Training ausreichen würde, war ich erfüllt von Stolz und Dankbarkeit, und die Schmerzen und Entbehrungen waren im Nu vergessen.

Eine alte Freundin aus Berlin sagte einmal: „Dit ist wie Karusselfahrn. Biste drin, musst Du kotzen. Ist es vorbei, willste unbedingt nochmal, wa?“ (entschuldigt die Wortwahl, der O-Ton musste sein)

Die meisten von uns Allen werden also nie den ersten großen Wettkampf vergessen, und auch wenn es weh tat, wir Anfängerfehler begangen haben oder zwischendurch extrem leiden mussten, so sollte dieser erste große Lauf in den seltensten Fällen der letzte sein.

In einer groß angelegten Studie wurden rund 900 Männer und Frauen nach ihrem ersten Marathon befragt, und ganze 79% der Männer sowie 70% der Frauen wollten in den nächsten 12 Monaten erneut an die Startlinie treten. (British Psychological Society)

In der Tat können wir unter uns Läufern beobachten, dass es selten ein Halten gibt, wir sind oft süchtig nach mehr. Die Grenzen wollen erweitert werden: Eine schnellere Zeit, eine längere Distanz oder eine schwierigere Strecke sind die nächste Herausforderung, die auf uns wartet. Denn mit jedem Zieleinlauf werden wir selbstbewusster, wissen um unsere Schwächen und Stärken und wollen diesen Endorphinregen erneut erleben. Und selbst von einer reinen Genussläuferin, der kurze Distanzen durchaus genügen, weiss ich, dass sie sich insgeheim ein klein wenig freut, wenn sie mal ihre Zeit um einige Minuten unterboten hat.

DIE ZIELLINIE IST ERST DER BEGINN. Denn mit diesem ersten Wettkampf, sei es ein Ultralauf, ein Marathon oder Triathlon setzten wir eine Grundlage für unseren Geist, um in Zukunft noch grössere Herausforderungen selbstbewusst anzugehen. Ob im Sport oder im alltäglichen Leben.

Du brauchst nur den Mut, an den Start zu gehen. Der Rest ist der Beginn Deiner großen Reise…

„Mein erster Ultra war ein 50km Trail Lauf mit 1500Hm.

Am Anfang lief es super und als ich dann das erste Mal

länger als Marathon und das auch noch im Gelände gelaufen bin,

war ich ganz schön fertig im Ziel. Mit Zauber hatte mein erster Ultra

eigentlich gar nichts zu tun. Um ehrlich zu sein, tat es am Ende 

einfach nur noch weh…

…aber wenn man dann mehrere hinter sich hat und der Körper sich daran gewöhnt,

dann kommt man langsam in den Flow und dann beginnt der „Zauber“,

wie Du so schön sagst.

…meinen richtigen Flow Moment hatte ich bei meinem ersten 100km Lauf

(Weltmeisterschaft in Winschoten 2015), als ich nach 90 km und

einigen Problemen die letzten 10 km wahrlich geflogen bin und

mit Abstand die schnellsten Schluss-10 km aller Teilnehmer gelaufen bin.

Das war wie im Rausch…

Es lief einfach und hat sich geil angefühlt, wenn man nach 90 km 

noch so schnell rennen kann… (der Weltmeister lief die 10km in 39:33 und ich in 37:29)“

Florian Neuschwander, runwiththeflow

Enlight1

„Nach dem ersten großen Lauf oder Triathlon die Ziellinie 

zu überschreiten hat etwas Beschwingtes, Berührendes

und gleichzeitig so Bewegendes an sich, 

dass diese Momente auch heute noch Gänsehaut bereiten

und unglaublich Lust auf so viel mehr davon machen.“

Nadin Eule, eiswuerfelimschuh

Enlight1

„…die Gefühle fuhren Achterbahn, es war eine Mischung aus Aufgeregtheit, Zweifeln 

und Pioniergeist. Mit einem Lauffreund sprang ich in einen vorderen Startblock,

es lief wie geschmiert, ich wartete auf den Einbruch, oder auf den Typ mit dem Hammer,

von dem alle berichteten, keiner kam vorbei, 

irgendwann, nach 3:24h lief ich durch das Brandenburger Tor mit etwas Pippi

in den Augen, es war etwas Besonderes, das gebe ich zu,

ich war sehr froh, glücklich und zufrieden, das Bier schmeckte besser denn je.“

Ulf Kühne, eastrun (mittlerweile ca. 60 Marathons)

Enlight1

„In den Tagen vor meinem ersten Marathon in Chicago hörte ich von den mitreisenden

erfahrenen Marathonis: Marathon ist einmal Hölle und retour. 

Mit großer Ehrfurcht startete ich los…

…und es wurde eine unbeschreibliche Traumreise über 42,195 km.

Die Zuschauer trugen mich und ich genoss jeden einzelnen Schritt.

Als ich die Ziellinie überlief, kamen mir kurz die Tränen hoch 

(weil es schon wieder vorbei war) und dann dachte ich mir:

Wenn das die Hölle war, dann möchte ich sehr bald wieder zurück. 🙂

Und nach jedem Marathon bin ich dankbar für diese Höllenreise – egal wie sie war.

Und so zieht sich der Anfang des Zaubers fort… und ich versuche,

es immer zu würdigen.“

Edith Zuschmann, Running Zuschi

Meine Gedanken: 

„Im Ziel werde ich auf jeden Fall weinen.“

Steve Auch, uptothetop

Enlight1

„Ganz ehrlich: Mein erster Marathon hat sich beschissen angefühlt.

Ich war naiv, unvorbereitet und habe mich völlig unterzuckert ins Ziel geschleppt.

Da bin ich den Sanitätern buchstäblich auf die Trage gefallen und

mit Infusion im Arm im Sani-Zelt wieder aufgewacht.

Nicht zur Nachahmung empfohlen.

Aber: der zweite lief dann schon viel besser

und seitdem ist das Laufen Teil meines Lebens.“

Hendrik Auf’mkolk, Trail Blog

„Auf der Zielgeraden hatte ich Gänsehaut, 

ein unbeschreibliches Glücksgefühl hat sich breit gemacht

und im Ziel liefen die Tränen vor Stolz.“

Bibi Schumacher, the Mermaid Club Ambassador, livelifemakewave

„München Marathon 2011: NIE WIEDER!

Linz Triathlon 2012: NIE WIEDER!

Rodgau Ultra 2013: NIE WIEDER!“

Demeter Dick, Triathlon DogEnlight1

„Bist Du bescheuert? Was machst Du hier? Du blamierst Dich ja…

Lauf bloß weiter und hör nicht auf! …;-)

Heute bin ich froh über diesen ersten Lauf.“

Daniela Rieger, LaufmamaXXL

„Dreams are not meant to be wasted“

„Einerseits war ich stolz wie ein Papagei, es geschafft zu haben und strahlte

lange ein blödes Grinsen aus; andererseits: eine „richtige“ 

Marathonvorbereitung war das nicht und ich wusste,

beim nächsten Mal würde ich es besser machen.

Berliner Laufgazelle, inzwischen 82 Marathons

„…das war ein Wechselbad der Gefühle!“

Robert Kampczyk, TrailsTipsRelax

Enlight1

„Mein erster Marathon war besser als die Schmetterlinge im Bauch, 

wenn Du Deine Liebe entdeckst,

besser als der Rausch, den Du im Club erreichst,

besser als französischer Käse oder eine Flasche Madiran. 

Mein erster Marathon war eine Explosion aus Schmerzen, 

Liebe, Hass und Befriedigung durch den eigenen Erfolg,

sich zum Finish gepusht zu haben.“

Oriane, Moving Uphill

„Zu meinem ersten Triathlon bin ich quasi einmal durch ganz Schleswig-Holstein gefahren

und war gerade frisch 18 geworden, so dass es meine erste längere Fahrt alleine war.

Das war für mich ein Gefühl wie Freiheit-

ausgebrochen aus den starren Zwängen des Lebens

zwischen Schule, Arbeit und Familie.“

Tim Janke, Triathlet und Ironman

„Mein erster Marathon? Die Hölle der Einsamkeit auf brennendem Asphalt.

Ich trottete nach über 5h ins Ziel und schaffte -unbewusst-

die beste Grundlage, um Ultraläuferin zu werden.“

Sarah Siegmund, Trail Guide, mountainy

Enlight1

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne-

so stehst Du an der Startlinie, mit funkelnden Augen,

vor Glück überschwappendem Herzen, voller Angst,

aber wohl wissend, dass das was kommt,

dich für immer verändern wird und genau in diesem Moment

eine wundervolle Liebesgeschichte entsteht.“

Katrin Schneider, katringoestriathlon

„Bei  km 10 auf den Strassen von Berlin habe ich realisiert, 

dass ich einen Marathon laufe,

bei km 21 war ich sicher, dass ich das Ziel erreichen werde

und bei km 35 hatte ich das Gefühl, ins Ziel zu fliegen.“

Henrik Lange, Running Twins

Erinnerst Du Dich noch an dein „erstes Mal“? Wann hast Du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gewagt? Hab nur die Courage, an den Start zu gehen, der Zug setzt sich dann von allein in Bewegung. Hab eine gute Reise!

Ich danke allen hier erwähnten Sportlern von Herzen ❤ für einen kurzen Einblick in ihre Erlebnisse. Es ist so inspirierend, Eure unterschiedlichen, grandiosen Leistungen zu beobachten und daran teilhaben zu können!

19 Kommentare zu “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

  1. Schöner Artikel, Maty! Leider ist Deine Nachricht im Arbeitsstress bei mir untergegangen. Also kommt nun hier verspätet mein Input.

    Meinen ersten Marathon konnte ich selbst gar nicht begreifen. Seit meiner Kindheit habe ich den Traum gehegt, einmal einen Marathon zu laufen. Und als es dann so weit war, war ich überfordert. Ich war noch so unerfahren und ängstlich, dass ich es nicht schaffen könnte. Als ich dann in den Zielbereich einlief, habe ich gar nicht realisiert, dass ich gerade einen Marathon gelaufen bin.

    Das sollte sich bei den nächsten Marathons ändern. Ich wurde nicht nur erfahrener in Bezug auf meine Renneinteilung, sondern habe auch besser gelernt, die Atmosphäre eines Marathons in mich aufzusaugen und positive Energie aus dieser ganz besonderen Atmosphäre zu gewinnen.

    Nach 5 gelaufenen Marathons, weiß ich ganz genau, wie ich das Marathon Laufen zelebriere. Trotz der enormen Belastung gewinne ich beim Marathon wahnsinnig viel Energie. Der innere Kampf mit dem Hammermenschen hat für mich etwas Spirituelles. Wenn die eine Stimme in mir ruft, dass sie nicht mehr weiter laufen mag und die andere Stimme diese niederringt und zum Schweigen bringt. Das gibt mir unglaublich viel Kraft für alle Lebensbereiche. Für mich ist Marathon Laufen daher nicht einfach nur Sport und Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.

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  2. Ein wunderschöner Artikel Maty. ☺ Und das Laufen ist, wie du sagtest, zu einer schönen Sucht geworden. 😄
    LG Dany

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  3. Yeah…geiler Beitrag.
    Vielen Dank für die Erwähnung

    Wir sehen uns auf den Trails dieser Welt, zwischen Lahm und Squamish! 😉

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  4. Liebe Maty,

    das ist so wunderbar geschrieben, dass mir die Gänsehaut hoch und runter rennt, Sentimentalität sich mit unglaublicher Freude vermischt. Ich habe mich sehr gefreut, als ich hörte, dass du dieses Thema für deine Seite zusammenstellen möchtest. Der Beitrag ist einfach so unglaublich schön geworden. Die vielen Eindrücke und die Erlebnisse, die Gefühle von jedem einzelnen. Das ist unser Leben, das wir so unglaublich lieben.

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  5. Oh ja, der erste Halbe unvergessen.
    Der erste ganze definiv mein letzter.
    Mein erster Ultra die schmerzvollste Erfahrung.
    Der erste … Kuss, unvergessen

    So ist das, mit allem, was am Anfang neu und gefahrvoll erscheint. Wenn man „Blut“ geleckt hat ist es wie eine Droge. Und auch hier gilt: die Dosierung bestimmt das Gift 😉

    Auf das wir noch ganz viele dieser Erfahrungen machen dürfen

    LG
    Peter

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  6. Toller Beitrag, tolle Idee und tolle Stimmen aus der Laufwelt gesammelt. Sollte jemand nicht wissen warum man diesen Sport treiben sollte … ab sofort findet er hier das Standardwerk 🙂

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  7. Pingback: Laufmotivation: Lauf-MAGIE › Running Zuschi

  8. Gänsehaut – liebe Maty! Sich immer wieder auf die Magie des ersten Mals einzulassen, genau das macht das Leben aus! 🙂
    Genieße weiterhin! Und vielen lieben DANK für diesen großartigen Post!
    Running Zuschi

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  9. Was ein geiler Beitrag! Hab grad die komplette Palette von Emotionen, meines ersten Marathons nochmal durchlebt. 🙂

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  10. Ein Beitrag mit abolutem Gänsehautfeeling 🙂 Es ist auch immer schön sich an das erste Mal zu erinnern, wenn es mal nicht so rund läuft! Liebe Maty, ist es für dich okay wenn ich deinen Beitrag in meinem nächsten Blogpost erwähne? LG aus Kärnten, Astrid

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  11. Pingback: Inspiration – Trailbirdie

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