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UTLW Klappe die Zweite – weil`s so schön war, gleich nochmal

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Wir haben gezögert, wie man nur zögern kann. Eigentlich bis zur letzten Sekunde.

Die Startplätze für die 2. Austragung des Ultra Trails Lamer Winkel hatten wir längst sicher, doch an Start war eigentlich nicht zu denken. Ulf´s verletzte Ferse nahm ihm schon den Rennsteig  übel und schrie nach einer Laufpause, um bis zum Tor des Geants zu genesen, dazu kam eine kleine Männergrippe. Ich hingegen hatte eine Laufpause vorzuweisen, und keine kurze. Die Gräser und Pollen liessen mich diesen Frühling schnaufen und husten, an solides Training oder gar lange Läufe war nicht zu denken. Beste Voraussetzungen eigentlich, einen Ultra NICHT anzutreten.

 

ABER DIESE TRAILS…!

Schon letztes Jahr verliessen wir das Bayrische Örtchen Lam absolut ge“trailflasht“ mit dem Versprechen, das Rennen auch mal bei schönem Wetter zu geniessen. Damals schon waren wir beeindruckt von der perfekten und sympathischen Organisation, den technisch anspruchsvollen Trails, der Laufstrecke. Nur die Aussicht, die fehlte, weil wir stundenlang im kalten Regen gegen einen noch kälteren Wind liefen, durchgeweicht und fluchend über die Nebelwand, die uns jede Sicht versperrte.

Dies könnte dieses Jahr anders werden. Das Wetter sollte sommerlich, trocken werden. Und dann DIESE TRAILS…!!! Wir schauten uns Freitag früh an und da war klar: Wir mussten hin, es half einfach Nichts. (An diesem Punkt schütteln Nichtläufer ihre Köpfe, Mit-Betroffene dieser Sucht, in Fachkreisen cupidus trailus et montis genannt, wissen genau, was wir meinten).

Also schnell die Sachen gepackt und ab nach Lam zum Bayrischen Wald!!!! Trallala… Als sei Nichts gewesen.

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Lam empfing uns im feierlichen Abendrot und die Tatsache, dass wir zusammen mit gleichgesinnten Ultras in einem Haus campierten, für die ein 50- oder gar 100km-Lauf zu einem gelungenem Tag gehörten, schlich sich auch bei uns eine gewisse Entspannung ein und ehe wir uns versahen, standen wir schon am Start.

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Nun ist der UTLW wirklich wie ein Klassentreffen der Trailerszene und so dauerte es ein Weilchen, bis man alle begrüßt hat, sich gegenseitig Spaß und Glück gewünscht hat. Wir stellten uns weit hinten auf, denn unser Plan war: Heute sollte nicht gerannt, sondern jede Minute genossen werden. Die Cut-Off-Zeiten im Blick wollten wir einfach entspannt durchlaufen und die Trails aufsaugen.

Noch ein kurzer Blick zu meiner Freundin Yvi: „Werde ich den Hammermann treffen?“- „It´s all mindset“ , antwortetet sie grinsend, und das sollte heute zu meinem Mantra werden.

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Der Startschuss ertönte und die Meute wurde losgelassen. Allen voran die leichten und jungen Favoriten. Sie sprinteten um den See, leichtfüssig wie junge Pferde und ich staunte, wohl wissend, dass sie dieses Tempo das ganze Rennen beibehalten würden. Respekt. Dann kamen wir und fielen in einen leichten Laufschritt. Es ging zunächst einmal über eine lange Wiese, auf der man seinen Rhythmus finden konnte. Vom letzten Jahr wusste ich jedoch, dass kurz darauf die ersten Höhenmeter folgen sollten. Ein besorgter Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir hier in den letzten Reihen eigentlich zu langsam unterwegs waren, aber jetzt schon überholen wäre auch blöd gewesen, also fröhlich weitertrippeln. IMG_8169

Wir liefen also auf  und ab, der ersten VP bei km 9 entgegen. Das Höhenprofil zeigt hier deutlich, dass man in diesem ersten Sechstel ordentlich zu steigen hatte:

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Ich blickte mich um und sah, wie viele um mich herum ordentlich ins Schwitzen kamen. Die Luft heute früh war sehr drückend und schwer, das würde ein heisser Lauf werden.

Und hier kommt das erste und einzige Manko des Laufs: an Verpflegung Eins angekommen, war nur noch Wasser übrig, das Iso sei leider alle, verkündeten uns die Helfer. Und auch an VP2 gab es keine Chance auf Iso mehr für das letzte Viertel der Läufer. Für uns Zwei war das eigentlich kein Problem, denn wir hatten genügend Salztabletten dabei, ich sah aber in die enttäuschten Gesichter der übrigen Läufer, die ratlos Leitungswasser tranken. In dieser Schwüle kann reines Wasser jedoch nach einigen zig Kilometern alle Mineralien aus dem Körper schwemmen, was vermehrt zu Krämpfen und Leistungseinbruch führen kann. Es wäre klasse, wenn im nächsten Jahr entsprechend des Wetters einfach mehr Isogetränke zur Verfügung stünden. Da die Organisation des UTLW wie bereits im letzten Jahr auch diesmal grandios war, das Team sehr fürsorglich und sympatisch, bin ich mir sicher, dass man sich diesmal einfach nur verkalkuliert hatte.

Auf uns wartete jetzt jetzt das längste, härteste Stück: Gute 15 km über die bezauberndsten Höhenzüge des Bayrischen Waldes, technisch recht anspruchsvoll und kraftraubend, entlang des Goldsteiges hinauf zum Großen Arber und dem höchsten Punkt des Rennens. Und da!! Wir konnten uns umschauen und die Ausblicke geniessen, die Sicht war herrlich und das Bild, das sich uns bot, so anders als die im letzten Jahr. Die Sonne knallte, man hörte im Hintergrund immer wieder die Bienen summen, und jeder, einfach jeder Schritt war neu, anders.IMG_8171

Ich war in dem so von mir heiss geliebten Trailhimmel und schwankte nur zwischen Schnaufen und Gänsehaut: Das ist es, was wir so lieben! Das Laufen in der Natur, fern ab von Strasse und Asphalt, die Stimmung untereinander fair, partnerschaftlich. Wir boten unterwegs immer wieder unsere Salztabletten an, auf den Downhills blieb sogar Puste für kurze Small Talks, einige Gesichter und Worte werden mir noch lange im Gedächtnis nachhallen.

Irgendwo auf einer längeren Geraden überholten wir schließlich Robert von trailstripsrelax. Und da wir im letzten Jahr ein Weilchen so genial als Trio gerannt sind, schäkerten wir kurz. Dieses Jahr machte Robert die Hitze und das fehlende Isogetränk allerdings schwer zu schaffen und wir sahen ihn erst später im Ziel wieder.

So liefen wir schließlich auf die VP2 zu und da wir nur so dampften, erinnerte ich mich immer wieder, regelmäßig eine Salztablette zu nehmen. Ich denke, diese retteten mir meinen Gluteus Maximus.

IMG_8156Von nun an ging es etwa 700 Höhenmeter abwärts, nicht gerade meine Paradedisziplin. Ulf wartete grinsend hinter jeder Ecke auf mich, während ich glucksend hinuntertapste. Nicht unbeteiligt daran waren meine neuen Lieblingsschuhe. Altras sind zwar bequem wie Laufen auf Wolken, der Grip ist jedoch eine einzige Katastrophe. Ich rutschte und fluchte. Wieder was gelernt.

Zum Glück ging es bald hinauf in Richtung Langlaufzentrum Scheiben, wo die dritte Verpflegungsstelle auf uns wartete, dieses Mal mit Allem, was unser Herz begehrte. Ich trank meine erste Cola, schaute auf die Uhr und war fast ein wenig traurig, dass in 18 Kilometern schon wieder Alles vorbei sein sollte. Es fühlte sich an, wie ein perfekter Ausflug, unsere Beine waren noch lange nicht müde, wir arbeiteten uns Kilometer für Kilometer vor, und die Abwechslung der Landschaft machte so richtig Spass.IMG_8121So langsam zog es sich zu. Die Wolken wurden dunkler und wir hörten ein Grollen. Ich fragte mich kurz, ob wir in ein Gewitter kommen würden, doch es klang noch weit weg.Enlight1

Nach dem verwurzelten Aufstieg zum Zwercheck (diese Wurzeln! nichts als Wurzeln! Mutter Natur ist unschlagbar) rief uns eine Frau zu, wir hätten es fast geschafft, bis nach Lam seien es nur noch 9 Kilometer. Ich stutze: 9? Luftweg vielleicht. Sie muss sich geirrt haben, es waren noch ganze 15 Kilometer! Ulf hingegen befiel eine Ahnung, dass die Veranstalter das Rennen eventuell abbrechen oder verkürzen würden, wenn es zu gewittern drohte. Ich zog eine Schnute, den letzten Aufstieg wollte ich mir nicht nehmen lassen, der Grosse Osser war doch das Dessert! Andererseits ist die Demut vor der Natur immer noch unser wichtigstes Gut unterwegs, und wir würden uns ihr beugen müssen, wenn es so sein sollte.

Wir rannten also einfach weiter und niemand hielt uns auf. Unser Rennen wurde nicht verkürzt, doch wie wir später im Ziel erfuhren, hatten wir einfach Glück. Kurz nach uns wurden die Läufer vor dem Zwercheck umgeleitet und konnten nur eine verkürzte Streckenlänge genießen. Wir jedoch wussten davon Nichts, für uns blieb die lange Forststrasse bis zum finalen Aufstieg, das letzte Kraxeln hinauf auf den Osser, an dem mich kurz meine Kräfte verliessen (das war der Zeitpunkt für die obligatorische kurze Zickerei und ein Kuhbonbon), ab zur letzten Verpflegungsstelle, noch einmal schlürfen, naschen und hinab zum Endspurt und zum allerschönsten Teil des UTLW´s, welcher unsere Herzen einfach höher schlagen liess.

Diesen Abschnitt kannten wir teilweise noch nicht, er war neu: Wir durften an einem Seil die Felsen hochklettern, balancieren, springen. „Tromsö“ und „Promised Land“, wie diese Trails genannt wurden, waren einfach entzückend. Das war ein Outdoor-Spielplatz für Erwachsene, ein Parkour, von der Natur geschaffen, einfach genial. Hier waren wir wie im Glücksrausch, grinsten wie verrückt, hängten ein paar Jungspunde ab, die uns noch vor kurzem gefährlich nahe kamen.

Noch einmal über den Holy Trail, vorbei an der süßen kleinen Kapelle, die ich unbedingt einmal besuchen will – aber jetzt nicht! Über eine Wiese, einen Feldweg hinab, Gas geben, Lam war zu sehen!! Ein paar Treppenstufen noch (treppeln können wir), eine Kurve, und da ist er, der rote Teppich für die Könige vom Bayernwald!!!!! Den Zieleinlauf genossen wir wie auf Drogen: So viele Gedanken flossen zusammen: Ja! Wir haben jede einzelne Sekunde genossen. Ja! Einen Ultra kann man auch mit etwas weniger Training schaffen, it´s all mindset. Und Ja! Als Team immer wieder noch einmal: Lachen, Schnaufen, sich gegenseitig aufbauen und ziehen.IMG_1628

 

ABER DIESE TRAILS…! Die gibt es SO nur einmal. Hut ab, liebes UTLW-Team!

5 Kommentare zu “UTLW Klappe die Zweite – weil`s so schön war, gleich nochmal

  1. Danke für den Bericht Maty! Von dieser Veranstaltung wusste ich noch gar nichts, hört sich super an 🙂 mal schauen, wann der nächstes Jahr statt findet! LG Astrid

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  2. Was für ein ganz wunderbarer Bericht, der so viel Lust auf Trails macht! Da hattet ihr ein unfassbares Erlebnis, das ihr sicher nicht missen möchtet. Die Reise hat sich mit diesem Finish einfach gelohnt. Glückwunsch dazu und weiterhin viel Freude bei euren Läufen. Hoffentlich bald wieder mit etwas weniger Schniefen.

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  3. Glückwunsch zum Finish

    Hat mich riesig gefreut, dass wir uns auch mal kennengelernt haben…auch wenn es nur kurz war.
    In Squamish haben wir dann sicher etwas mehr Zeit

    Wir sehen uns in Kanada…awesome!

    Liebe Grüße

    Steve

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