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Beliebtes Outdoor-Garn Merino – und warum zweimal Hinschauen lohnt

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Im Outdoor-Bereich sind Produkte aus Merino-Wolle kaum mehr wegzudenken. Viele Sportler sind begeisterte Träger dieses Schafskleides, und mittlerweile bieten fast alle Outdoor-Hersteller Textilien aus dieser Funktionsfaser der Natur an, denn sie besitzt Eigenschaften, wie keine andere Faser – ob künstlichen oder natürlichen Ursprungs.

Als ein großer Merinowool-Hersteller zwecks einer gemeinsamen Zusammenarbeit auf mich zukam, wurde ich nachdenklich, denn neben den guten Eigenschaften dieser Faser, die ich längst kannte, hatte ich in wager Erinnerung, dass in Punkto Tierschutz und Merino Vorsicht geboten ist, und so begann ich meine Recherche.

Das Merinoschaf ist eine Feinwoll-Schafrasse, die ursprünglich aus Nordafrika stammt, im Mittelalter nach Spanien gelangte und durch europäische Siedler schließlich nach Australien und Neuseeland importiert wurde. Diese Länder stellen heute die größten Merinowolle-Lieferanten der Welt dar. Dieses Garn ist bei Sportlern so beliebt, weil es mit den handelsüblichen Polyester- und Polyamid-Kleidungsstücken locker mithalten kann und dabei folgende Vorteile besitzt:

  • feuchtigkeitsregulierend und atmungsaktiv

Obwohl die Oberfläche der Faser Wasser abstößt (hydrophobisch), kann sie im Inneren bis zu 35% ihres Eigengewichtes  an Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf aufnehmen (hygroskopisch). So wird die Kühlung des Trägers in den Sommermonaten auf natürliche Weise unterstützt, ohne dass der Träger diese Feuchtigkeit fühlt.

  • isolationsfähig und wärmend/kühlend

Bezogen auf ihr Gesamtvolumen können die gekräuselten Fasern der Merinowolle bis zu 85% Luft enthalten. Dieses Isolationsprinzip schafft wohlige Wärme, die nicht nach außen verloren geht.

  • geruchsneutral („no stink“)

Wir schwitzen normalerweise Fette, Bakterien und Salze aus, die in den handelsüblichen Funktionsshirts aus Kunstfasern hängen bleiben und nach einer Weile miefen. Merinowolle hingegen weist eine schuppige Oberfläche auf, auf der sich die Bakterien schwer halten können. Das macht die Wolle zu einem natürlichen Antibakterium, weshalb es auch hervorragend für Unterwäsche geeignet ist.

  • kratzfrei

Im Gegensatz zur gröberen Schurwolle krümmen sich die elastischen Fasern der Merinowolle bei Kontakt mit der Haut. Es juckt nicht unangenehm, sondern die Nervenenden melden: „angenehm weich“.

  • natürlich und nachhaltig

Merinowolle ist ein natürlicher Rohstoff, der nachwächst und ohne Rückstände abbaubar ist. Innerhalb von 90 Tagen ist ein in Erde eingegrabenes Merinoshirt vollständig kompostiert.

All diese Vorteile haben der Merinowolle mittlerweile eine große Fan-Gemeinde unter den Frischluft-Aktivisten beschert.

 

Doch wie so oft hat die Produktion der Merinowolle eine große Schattenseite. Das Mulesing.

Was ist Mulesing?

90% der weltweiten Merino-Produktion kommt aus Australien, wo dieses schmerzhafte Verfahren praktiziert wird, um die Schafe, welche dem australischen Klima nicht angepasst sind, vor einem tödlichen Fliegenmadenbefall zu schützen. Ironischer Weise wurden die Larven dieser Fliegen einst ebenfalls von Siedlern eingeführt.

Bei dieser Prozedur werden Lämmern im Alter von maximal 12 Wochen Hautstücke rund um den After ohne Betäubung entfernt und anschließend desinfiziert, da sich dort die Larven ansiedeln. Diese schier unglaubliche Tortur müssen Merino-Lämmer erleiden, da noch keine alternative Lösung oder medikamentöse Behandlung gefunden wurde. Wenn Du schmerzfrei bist, schau Dir im Internet Bilder dazu an, sie sind sehr grausam.

Allein dies sollte ein klares Argument gegen das Erwerben von Merinowolle-Produkten sein.

Ich will hier keinesfalls eine Diskussion für und wider vegane Kleidung anregen, dies ist ein anderes Thema, welches ich gerne später einmal aufgreife.

Doch es gibt immer noch die Möglichkeit, genauer hinzusehen, sich zu informieren, um wenigstens das oben erwähnte Tierleid zu vermeiden.

Es gibt mittlerweile einige namhafte Hersteller, die sich gegen das Mulesing aussprechen und ihre Wolle in Neuseeland produzieren, wo Mulesing mittlerweile verboten ist.

Ortovox, Icebreaker und smartwool (keine Werbung!) verwenden keine Mulesing-Wolle. Bei Icebreaker kann man online seine Textilien bis zum Produzenten zurückverfolgen, smartwool war der erste Produzent, der sich 2005 vom Mulesing distanziert hat.

Diese Textilien haben natürlich ihren Preis. Sie sind teurer, als so manche „Merino-Schnäppchen“ von anderen Herstellern. Doch das sollte es Dir wert sein.

Schau beim Kauf von Wolle und Wollprodukten, ob diese aus Australien importiert wurden und von gequälten Schafen stammen und boykottiere diese! Laut dem Tierschutzbund haben solche Proteste mittlerweile dazu geführt, dass einzelne Handelsketten den Verkauf australischer Wolle eingestellt haben.

Doch nur so kann man Einfluß auf dieses Tierleid nehmen, und das sollte es uns wert sein.

Mit oder ohne Wolle, in Kunst- oder Naturfaser, ich wünsche Euch herrliche Winterläufe in dieses kalten Tagen, haltet Euch warm und vergesst nicht in den Adventstagen: Tierschutz ist ein Teil von Menschlichkeit. ❤

4 Kommentare zu “Beliebtes Outdoor-Garn Merino – und warum zweimal Hinschauen lohnt

  1. Vielen Dank für die sehr ausführliche Recherche. Ich hatte schon von Mulesing gehört, muss aber gestehen, dass ich mich nicht näher damit befasst hatte. Ich bin seit vielen Jahren ein großer Fan von Merinokleidung und trage diese in allen Lebenslagen und über das ganze Jahr. Glücklichweise, wie ich nun weiß, habe ich mich hierbei immer für die oben genannten Marken beim Kauf entschieden und auf Billigprodukte verzichtet. Solch eine Tierquälerei ist ein absolutes NO GO.

    Danke für Deinen Bericht!

    Grüße Simone

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