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Nachhaltigkeit in der Sportbranche – tut sich da was?

4 Kommentare

Eigentlich ist ein Besuch auf der ISPO, der weltweit größten Sportmesse mit ihren Symposien, Vorträgen und Ausstellern ein Muss für Sportenthusiasten.

Natürlich waren wir neugierig auf die neuesten Modelle von Laufuhren, Trailrunningschuhen und Outdoor-Bekleidung, und die Leute von Garmin, Salming, Deuter & Co haben wirklich gute Arbeit geleistet, für die neuesten Produkte zu begeistern.

Dennoch, und das ist jetzt unser ganz subjektiver Eindruck, wiederholt sich Vieles alljährlich, und der große Aha-Effekt wollte sich bei uns auch dieses Jahr nicht einstellen.

Im Grunde waren wir nur für ein Thema angereist. Wir waren neugierig, wie es um den Bereich bestellt ist, der nach unserer Meinung mehr Aufmerksamkeit bedarf, als bisher vorgegeben wurde. Und für welches wir Sportler im Outdoorbereich eine besondere Verantwortung tragen:

Nachhaltigkeit und Konzepte gegen den weiteren Raubbau von natürlichen Ressourcen für die Herstellung von Sportartikeln und-bekleidung

Laut Veranstalter spielen Nachhaltigkeit und umweltschonendes Wirtschaften in der Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle und im der Sportbranche bedeutet diese weit mehr als nur ökologisch produzierte Ausrüstung. Nachhaltigkeit sei nicht mehr das Modewort der 1980-er Jahre, es ist zur Notwendigkeit geworden. Wer im Fitnessstudio oder auf der Loipe an der eigenen Gesundheit arbeitet, wird eine parallele Zerstörung seines Lebensraumes nicht akzeptieren.  Satistiken zufolge bezieht die Mehrheit der Deutschen (53%) das Thema Klimaschutz inzwischen bei ihren Kaufentscheidungen ein.

Zwei Schlüsselthemen dominieren laut ISPO in diesem Jahr die Sportbranche: Nutzung, Wiederverwertung, Recycling, Erneuerung und vorausschauendes Denken.

Aber wird dies auch umgesetzt?

Ich denke, wir konnten hier nur an der Oberfläche „kratzen“ und nur kurze Einblicke erhalten:

So hat die „Scandinavian Outdoor Group„, ein Zusammenschluss von mittlerweile 66 nordischen Unternehmen, sich zur Aufgabe gemacht, für den Umweltschutz zusammenzurücken und beispielsweise an einer gemeinsamen Strategie für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Mikroplastik zu arbeiten.

Vaude ist erfreulicher Weise mittlerweile einer der aktivsten deutschen Outdoor-Produzenten im Bereich der Nachhaltigkeit, da er laut Unternehmerin von Dewitz großen Wert auf eine möglichst lange Nutzungsphase der Produkte (z.B. durch Plattformen für Reparaturanleitungen) legt und bis 2020 100% PFC-frei produzieren möchte. PFC heißen die Chemikalien, mit denen die Produkte beschichtet werden, um Wasser und Schmutz abperlen zu lassen. Leider werden sie jedoch sehr schwer abgebaut, sobald sie freigesetzt werden (durch Waschen der Jacken z.B.). Durch sein „Green Core Concept“ ist Vaude in diesem Jahr als ECO ACHIEVEMENT BRAND mit dem Ispo Award für Eco Responsibility ausgezeichnet worden und setzt ein mutiges Statement zur nachhaltigen Entwicklung funktionaler Produkte.

Einer meiner Favoriten ist seit Jahren die amerikanische Marke Patagonia. Schon seit 1985 setzt sich das Unternehmen nachhaltig für den Umweltschutz ein und ist Vorreiter im Engagement für die Umwelt. Mindestens ein Prozent des Umsatzes wird direkt in Umweltschutzmaßnahmen investiert, die sogenannte „Earth Tax“. Seit 2000 arbeitet Patagonia mit der unabhängigen Organisation bluesign zusammen, die Unternehmen in Fragen des Rohstoffverbrauchs berät. „Don’t buy this Jacket!“, hieß die Werbekampagne, mit der Patagonia vor Jahren für Aufsehen gesorgt hat, indem das Unternehmen den Konsumenten dazu aufforderte, zu reflektieren, ob man tatsächlich das neueste Produkt brauche, obwohl zig andere im Kleiderschrank hängen. Das Projekt „Worn Wear“, eine Handelsplattform für Second Hand Kleidung, sowie das eigene Textilreparaturzentrum werden jetzt auch in Europa angeboten. Jeder kann sein Patagonia-Kleidungsstück einreichen und flicken lassen, eine mobile Reparatur-Station tourt durch Europa. 

Soweit so gut. Leider ist mir aufgefallen, dass immer noch zahlreiche internationale Hersteller Daunenjacken produzieren, ohne die Herkunft offen zu deklarieren. Daunen sind durch ihre hohe Wärmekapazität und ihre gleichzeitige Leichtigkeit immer noch sehr beliebt im Outdoorbereich. Sie stammen jedoch oftmals von Lebendrupf und von Tieren, die zur Produktion von Stopfleber gemästet werden. 2012 kam es zu einem großen Skandal, als The North Face zugeben musste, dass es für seine Bekleidung Daunen aus tierquälerischer Gänsemast bezogen hatte. Die Gänse wurden in einem ungarischen Mastbetrieb zur Produktion von Stopfleber („Foie Gras“) gezüchtet. In der Folge hat North Face und andere Unternehmen reagiert und eine Zertifizierung für nachhaltige Daunen gegründet, den Responsible Down Standard, dem sich mittlerweile Firmen wie Mammut, Jack Wolfskin, Deuter oder Salewa angeschlossen haben. Er versichert, Daunen ausschließlich aus Schlachtrupf zu verwenden.

Auf dem Messestand von TNF war das folgende, etwa 2 Meter hohe Schild, auf dem diese Zertifizierung erklärt wird, gut sichtbar aufgestellt, was erkennen lässt, wieviel Gewichtung das amerikanische Unternehmen mittlerweile dieser Thematik  beimisst.

Patagonia hingegen gründete den  Global Traceable Down Standard = Global TDS, in dem zusätzlich die Überprüfung der Elterntierfarmen Bestandteil der Zertifizierung ist. Dies ist die derzeit strengste Zertifizierung  für nachhaltige Daunen. Nocheinmal Daumen hoch für Patagonia!

Auch wenn ich finde, dass jeder für sich entscheiden sollte, ob man denn überhaupt auf Produkte tierischen Ursprungs zurückgreifen muss, wenn es mittlerweile sehr gute Alternativen synthetischen Ursprungs gibt (PrimaLoft, Thermomore Ecodown), so wird die gesamte Sportwelt leider nicht sofort auf Daunen verzichten wollen. Umso wichtiger ist ein gemeinsamer Standard, der unnötiges Tierleid vermeidet.

Schließlich jedoch stellten sich mir die Haare sprichwörtlich auf, als ich den Kanadischen Hersteller Canada Goose auf der ISPO entdeckte: Die Winterjacken dieses Produzenten, die man in letzter Zeit leider vermehrt auf der Strasse erblickt (bei mitteleuropäisch-winterlichen, also milden Temperaturen: WOZU?), meist mit dem charakteristischen Kojoten-Fell auf der Kapuze, der durch Fallenfang produziert wird. Ich empfinde Pelz grundsätzlich als unnötig, grausam und geschmacklos. Diese Fangmethode hingegen als ekelerregend. Die Handelskette Globetrotter verzichtet auf den Verkauf dieser Jacken eben aus diesem Grund.

Ich verstehe nicht, warum ein groß aufgestelltes Messeunternehmen, welches dem Umweltschutz und Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert zuschreibt, auf diesen Hersteller nicht verzichten konnte. Für uns war der Messetag erledigt, und es fiel uns nicht schwer, die trockene Luft schnell gegen Bergluft zu tauschen.

Summa Summarum tut sich einiges in der Sportbranche zum Thema Nachhaltigkeit, viele Hersteller leisten vorbildliche Arbeit, einige leider nicht.

Und deshalb hier für Dich:

Was kannst Du selbst tun, um nachhaltige Outdoor-Bekleidung zu finden?

  • Frage Dich, wieviel Funktion Du wirklich brauchst. Ökologisch betrachtet ist weniger oft mehr. Brauchst Du wirklich diesen High-Tech-Stoff, welcher unter Einsatz von schädlichen Chemikalien produziert wird, auf einem einfachen Trail im Bayrischen Wald? Für gelegentliche Spaziergänge braucht man ebenfalls keine Drei-Lagen-Membran
  • Achte auf Recycling-Fasern. Kleidung aus Recycling-Polyester wird meist aus eingeschmolzenen PET-Flaschen hergestellt, was 50-75 Prozent weniger Energie verbraucht als eine Chemiefaser aus Rohöl. (Zu erkennen am „Ich war eine Flasche“-Schild)
  • Recycelbare Outdoorkleidung: Hersteller wie Patagonia oder Pyua haben sich auf kreislauffähigere Kleidung spezialisiert, die sie nach Gebrauch zurücknehmen. Die Königsklasse des Recycling!
  • Tierleidfreie Naturfasern wie Wolle (bitte auf die Herkunft achten) sind biologisch abbaubar!
  • Achte auf PFC-Freiheit! („Flourcarbon free“)
  • Nachhaltigkeitssiegel wie bluesign oder Fair Wear Foundation helfen bei der Auswahl

 

Denk´dran: Der effektivste Weg, etwas zu tun, ist, etwas zu tun!

Hab tolle Stunden da draussen,

Maty & Ulf

 

4 Kommentare zu “Nachhaltigkeit in der Sportbranche – tut sich da was?

  1. Toller Beitrag! Bleibt zu hoffen, dass viele Hersteller – auch die Sportartikel-Hersteller für den indoor-Bereich – bald nachziehen.
    Einen ganz wichtigen Aspekt, nachhaltiger einzukaufen ist für mich mittlerweile auch das Second-Hand-Shopping. So werden Sachen länger genutzt und müssen nicht neu produziert werden.
    VG Nicki

    Gefällt 1 Person

  2. Leider habe ich es nicht zur ISPO geschafft, weil ich stattdessen im Bett verweilen musste,… in jedem Fall hätte mich das Thema auch sehr interessiert. Allerdings scheint es ja nun so zu sein, dass nicht wirklich viel zu entdecken war. In jedem Fall finde ich, wie bereits auf Twitter erwähnt, dass sich in den vergangenen zwei, drei Jahren sehr viel im Bereich Yoga, Schwimmbekleidung und Surfen getan hat. Bei der Kosmetik gibt es wie überall viel Green-Washing aber es gibt eine Vielzahl von Marken, die ökologisch nachhaltig und mit sehr guten Inhaltsstoffen produzieren. Mir ist durch eine liebe Freundin das Thema auch in Berlin bei kleinen Lifestyle-Marken nahegebracht worden. Hier gibt es tatsächlich sehr viel zu entdecken.

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    • Ja, liebe Din, ich denke, eine gewisse Aufmerksamkeit hat die Thematik endlich bekommen, nur noch nicht in dem Maße, wie es vielleicht nötig wäre… in der Kosmetikbranche kenne ich mich nicht so gut aus, aber ich vermute, dass hier ebenfalls noch einiges passieren wird in Zukunft.

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