Run and Ommm

running yogini


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Die SKINS DNAmic Tights, auf Herz und Nieren geprüft

Ich mache nicht gerne Produkttest. Ist so.
Ich will keine Schuhe oder Klamotten zugeschickt bekommen, nur weil sie kostenlos sind.
Mich in meiner eh schon so knappen Zeit für das Training in Dinge zwängen, die ich mir von selbst nie gekauft hätte, weil sie nicht zu mir passen. Und diese Dinge dann auch noch bewerten, obwohl ich sie am liebsten gleich in die hinterste Schrankecke stecken würde. Es bereitet mir Bauchschmerzen, etwas öffentlich zu kritisieren, was wochenlang mit Herzblut entwickelt wurde. Dann stelle ich mir ein Team von motivierten, dynamischen Leuten vor (ja, lacht nur),die mit Begeisterung dieses Produkt den Sommer über entwickelt haben, und ich muss dieses in Grund und Boden schreiben, weil er einfach nicht zu mir passt. Dann lieber gar nicht, meine Standardantwort an die Unternehmen ist inzwischen vorgespeichert: Herzlichen Dank, aber Nein.
Wenn mir etwas wirklich gut gefällt, kaufe ich es mir lieber selbst. Und wenn ich dann das Gefühl habe, dieses „Etwas“ sei nun wirklich das Non-Plus-Ultra auf dem Laufmarkt, tue ich meine Begeisterung kund. Aber eben nicht aufgezwungen. Weiterlesen


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„Meine Tor“ – von Ulf Kühne

Schon seit vier, fünf Jahren schwirrte bei mir im Kopf das Gespenst „Tor des Geants“ herum. Ein 330-Kilometer-Rennen durch das Aostatal mit 24.000 Höhenmetern, welches in 150 Stunden zu bewältigen ist. „Das mache ich mal,“ sprach ich zu mir, „Irgendwann…“

Sollte es Zufall sein, dass ich Anfang des Jahres immer wieder auf der Seite des Veranstalters surfte? Wahrscheinlich nicht, denn schließlich wagte ich die Anmeldung. „Man kann es ja mal probieren“, dachte ich.

Zwei Ausloseverfahren später (von 2500 Bewerbern wird in zwei Schritten auf 800 Teilnehmer ausgesiebt) fand ich mich tatsächlich in der Startliste wieder. Ich war ein wenig überrascht, aber nun. Dann sollte es 2016 halt sein.screenshot-25-09-2016-22_44_29_ver001

Nun hiess es Vorbereiten und Trainieren, was der Körper hergibt.

Viel gab er aber nicht her. Denn eine Fußverletzung, die bis in den Mai anhielt, liess mich nicht wirklich in Tritt kommen. Ich absolvierte „Alibi-Läufe“, einen 24h-Lauf im Stadion, den Mauerweglauf, UTLW und Pitztal Glacier Trail. Ja, ich lief irgendwie, doch von kontinuierlicher Vorbereitung auf die Tor fehlte jegliche Spur. Und diese rückte nah und näher. Ich sprach mir Mut zu und sagte, das sei Alles nur Kopfsache.

Und so begab ich mich zusammen mit Carsten, ebenfalls Tor-Anwärter und inzwischen guter Freund, am 10.September auf den Weg nach Courmayeur. Wir waren gespannt, voller Vorfreude, aber auch nervös, was auf uns zukommen sollte. Keiner von uns kannte eine solche Distanz.

Der Vortag des Rennens rauschte an uns vorbei durch die Organisation der Dropbags, das lungamente italienische Briefing und die Vorabendpizza.

Am Sonntag um 10 Uhr war es dann endlich soweit: bei strahlendem Sonnenschein sangen Zuschauer und Läufer gemeinsam die Tor-Hymne „moi siamo liberi…“, der Startschuss ertönte und wir wurden auf die lange Reise geschickt.

Nach einer kleinen Schleife um Courmayeur ging es gleich hinauf zum Col Arp.

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„Die Serpentine kenn‘ ich doch, hier bin ich vor zwei Jahren beim UTMB hinunter!“- Und sie präsentierte sich genauso wie damals: Dreckig, staubig, steil und gemein.

Nach 9 Kilometern war der erste Berg von unzähligen noch kommenden erklommen. Der Downhill nach La Thoulie lief ziemlich einfach und entspannt, nur die Sonne heizte uns ordentlich ein. Noch mit Carsten zusammenlaufend labten wir uns an der reichhaltigen Verpflegungsstelle.

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Es folgten mit dem Passo Alto und dem Col Crosatie zwei Pässe über 2850 Meter. Es fiel mir nicht leicht, diese zu bezwingen. Beziehungsweise tat ich mich schwerer, als ich es wahrhaben wollte. Und das zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens! Der Kopf brummte. Ich machte mir Gedanken: Bin ich zu blauäugig an den Start gegangen? Habe ich die Tor unterschätzt? Falk sagte doch: Die Tor ist technisch nicht so anspruchsvoll 😮 …

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Zeit für ein Telefonat mit der Liebsten! Sie sprach mir Mut zu, ich sollte in kleinen Stücken denken, zunächst einmal zur nächsten Base, dann länger pausieren, gegebenenfalls etwas schlafen. Auf keinen Fall an die gesamte Strecke denken, die noch vor mir lag. Also gut.

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Um 21.24 Uhr erreichte ich Valgrisia, die erste große Station. Mit Bier uns Nudeln gestärkt, aus der Tasche frische Socken und Shirt geholt, und da von Müdigkeit jegliche Spur fehlte, nach etwa 45 Minuten zum Aufbruch bereit gemacht.

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Und tatsächlich lief es endlich wie von selbst. Die Kühle der Nacht, die nun wieder trockenen Sachen und der wieder aufgefüllte Tank brachten die Lokomotive zum Laufen.

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Nun wurden Col Fenetre, Col Entrelor und mit 3299 Metern der höchste Punkt des Rennens, Col Lason bestiegen. Drei Lange Up- und zeitlich fast genauso lange Downhills , da technisch sehr schwierig, wurden bewandert.

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Am Montag erreichte ich gegen 15 Uhr Cogne, den zweiten großen Umschlagplatz. Hier muss ich wohl etwas geschlummert haben. So recht fehlt mir die Erinnerung daran, knapp drei Stunden verbrachte ich jedenfalls laut Dashboard dort, dann ging es weiter.

 

Der folgende Abschnitt über den Fenetre di Champochier bis Chardonney dauerte eine gefühlte Ewigkeit und ich hatte dort schließlich das Bedürfnis, mich wenigstens kurz hinzulegen. Gar nicht so einfach, wenn die Läufer draussen leidenschaftlich mit lauten Kuhglocken empfangen werden. Gerade, als ich doch noch in einen Tiefschlaf gefallen bin, wurde ich auch schon wieder geweckt, da man an den Zwischenstationen höchstens zwei Stunden verweilen durfte. Ich wurde einfach wieder in die Nacht hinausgeworfen. Zeit für ein Telefonat…img_5690-1

Fünf Stunden später in Donnas holte ich meinen restlichen Schlaf, also erneut zwei Stunden, nach. Nach einer heissen Dusche und mit gestärkten Kräften ging es Dienstag um elf Uhr auf den 15 Kilometer Anstieg zur Halbzeit der Tor zum Refugio Coda. Es lief wahrlich recht gut, ich war bestens gelaunt, die Sonne schien, das Aostatal präsentierte sich von seiner schönsten Seite, die urigen Bergdörfer mit ihren wohltuenden Labestellen taten ihr Übriges. Ich lief ein wenig wie im Bergrausch.img_5675

Ich passierte Refugio Balma und wollte nur schnell weiter. Nichts konnte mich aufhalten ausser gelegentliche Fotostops, die bei der atemberaubenden Berglandschaft einfach sein mussten.

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Doch es kommt meist anders als man denkt: Der folgende Abschnitt nach Niel war für mich persönlich der gefährlichste, anstrengendste und Kraft raubendste Part. Über Geröllfelder ging es entweder sehr steil hoch oder dementsprechend runter. Es war mehr ein Klettern, Hangeln und Steigen denn Laufen. Sieben endlose Stunden habe ich für die 17 Kilometer (22-5 Uhr) benötigt.

Total erledigt kam ich in Niel an. Ich wollte nur noch etwas Essen und mich schnellstmöglich hinlegen. Die Frage nach einer Liege wurde verneint. Ich legte mich verzweifelt auf den Fussboden des Refugios und versuchte zu schlafen. Ich fragte schlotternd nach einer Decke, und plötzlich hatte man Erbarmen und führte mich ins beheizte Zelt zu einer kleinen Liege. Nach gefühlten 5 Minuten (es waren 2 Stunden) wurde ich gnadenlos geweckt. Ich fühlte mich leer und erschlagen. Den Kaffee und ein kleines Baguette zwang ich mir noch hinein. Dann verließ ich das Refugio unter Tränen und begab mich in den Anstieg des Col Lasoney. Zeit für ein Telefonat…

Ich war am absoluten Tiefpunkt und schluchzte ins Telefon, Maty versuchte mich zu beruhigen und wieder aufzubauen. Irgendwann tröstete mich die vertraute Stimme und ich konnte weiterstampfen.

Nach dem nächsten Pass und einer einmaligen Auswahl an Käsesorten an der nächsten kleinen Verpflegungsstelle war ich wieder der Alte.fullsizerender-31

In Gressoney holte ich die nächsten zwei Stunden Schlaf nach. Es wurden die Stirnlampen aufgeladen, die Schuhe getrocknet, frische Sachen angezogen. Über den Col Pinter und Col di Nana erreichte ich Donnerstag um 1:42 Valtour. Hier wollte ich endlich einmal „richtig“ schlafen, also vier Stunden ;-). Nach dem mittlerweile zur Regel gewordenen Fuß-Tapen und einem schönen Glas Rotwein ist mir das auch gelungen.

Um 7:30 klingelte der Wecker und nach einem kräftigen Frühstück ging es wieder hinaus. Ich kam jedoch aus dem Zelt und stutzte: Was war das? Nebel und Dauerregen, Alles kalt und grau. Es half Nichts, ich musste weiter. Schon kurz vor dem Refugio Barmasse war ich völlig durchnässt. Die Regenjacke hielt nicht im Geringsten, was der Hersteller versprach, ich grübelte: So konnte ich einfach nicht weiter. Ich war nass und durchgefroren, der Streckenverlauf zeigte 34 Kilometer oberhalb von 2000 Metern, das konnte so nicht funktionieren! Im Refugio wechselte ich zunächst alle Sachen komplett und bastelte mir als oberste Schicht die goldene Rettungsdecke zum Poncho. So sollte, nein, so musste es weitergehen! In dieser Manier lief ich bis Oyace.fullsizerender-43

Ja, es hat funktioniert, bis auf die Füsse. Ich litt unter der Feuchtigkeit und Blasenbildung. Das Auftreten machte mir große Schwierigkeiten, und frische Socken und Schuhe sollten erst 18 Kilometer weiter auf mich warten. In Oyace angekommen musste ich erst einmal die wunden Füße reinigen, trocknen und tapen lassen. Nur trockene Socken fehlten mir. Ich schaute mich um, ob mir jemand mit einem Paar aushelfen würde. Der erste Läufer, den ich fragte, verneinte. „Los, frag noch einen, da muss doch jemand hilfsbereit sein!“ bestimmte Maty am Telefon. Und tatsächlich: Ein Läufer, der sich zum Aussteigen entschlossen hatte, half mir mit seinen aus. Merci Beauceaup an dieser Stelle.

Ich begab mich zur Kurzruhe und kurz vor 24 Uhr lief ich wieder weiter.

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Am Freitag um 5.30 Uhr erreichte ich Ollomont, die letzte große Station der Tor des Geants. Hier warteten endlich die trocken Sachen und Schuhe auf mich sowie ein letzter zweistündiger Erholungsschlaf, bevor ich mich auf die letzte Etappe machte. Noch 51,4 km. Das wird sich doch wohl ausgehen!

Zuerst den Col Champillon, nochmal richtig schön steil auf und ab. Es schneite. Ein Hüne von Mann, der örtliche Bergführer, trat aus der Hütte mit einer riesigen Kuhglocke, sein Bernhardiner folgte ihm auf Schritt und Tritt. Er fing an, die Glocke zu läuten und heulte dazu wie ein Wolf. Der Hund ahmte das Ganze nach, eine unglaubliche Stimmung und Verabschiedung aus dem Refugio Champillon, die ich nie vergessen werde.fullsizerender-39

Es folgte ein 10km-Flachstück, in welchem ich mich immer wieder beim Sekundenschlaf während des Laufens erwischte. Als ich plötzlich 2 Frauen sah, die mich auch noch auf Deutsch anfeuerten, dachte ich, das war`s jetzt. Jetzt halluziniert er. Doch nein, sie waren echt. Es waren die Frau und Schwägerin von Frank, einem Treppenläufer und guten Bekannten, die mir entgegen kamen. Was für eine Überraschung! Ich sagte: „Los! Quatscht mich voll, ich bin gerade am Einschlafen!“ Und so vergingen die restlichen 2 Kilometer bis nach Saint-Remy wie im Fluge.

Alles andere wie im Fluge verlief der endlos lange Anstieg zum Refugio Frassati. Endlich angekommen nahm ich am Kanonenofen platz und wollte am liebsten bleiben, so gemütlich war es dort. Thomas Bohne, Gesamt Sechster der Tor, schon längst im Ziel und frisch geduscht, half hier im Refugio aus. Er munterte mich auf und sagte, die besten Downhiller brauchten von hier drei Stunden bis zum Ziel, Du schaffst das in fünf Stunden!

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Zum Col Malatra hin wurde jedoch der Schnee immer dichter. Ich musste die Schneekrallen an die Schuhe befestigen und war dankbar, dass diese zur Pflichtausrüstung gehörten. Die Sicht war gleich Null, in der Dunkelheit erschien das Schneetreiben vor der Stirnlampe wie eine Wand. Die letzten Meter zum Gipfel waren noch einmal eine große Herausforderung: An Seilen hochziehen, mit den Krallen über Felsen kratzen, Schritt für Schritt konzentriert bleiben. Irgendwann war der letzte Gipfel geschafft und ein Bergretter reichte mir seine Hand für den letzten Schritt aufwärts.

Hinunter meldete sich eine Sehne im linken Spann des Fusses. Das Auftreten bereitete mir Schmerzen. Das Ganze wurde zur Wanderpartie. Im Malatra folgte noch ein letzter Gegenanstieg, nicht leicht, aber Alles egal. Samstag früh werde ich finishen. Nur noch den bekannten Trail entgegengesetzt des UTMB über Refugio Bertone nach Courmayeur.

So viele Steine, wie da im Weg lagen, genauso zäh war dieser Downhill zum Ziel hinab. Jeder Stein stand für eine Minute.

Thomas, ich habe 6,5 Stunden benötigt, aber ich habe es geschafft!

Um 2:27 Uhr lief ich nach 136:27:47 Stunden auf Platz 234 einsam und allein ins Ziel hinein. Ein älteres Ehepaar stand am Rand und klatschte verhalten. Carsten wollte mit Bier auf mich warten, aber wir haben uns irgendwie verfehlt. Keiner war da. Nicht einmal Maty war erreichbar. Sie war zwei Stunden zuvor so erleichtert, dass ich nun sicher finishen würde, dass die Aufregung der letzten Tage in Erschöpfung wechselte und sie vor dem Computer eingeschlafen war.

Bei der Zielversorgung gratulierte mir als erstes eine ältere Dame vom Sanitätskommando. Ich liess mich also zum Hotel fahren, checkte um drei Uhr im Hotel ein, kaufte zwei Bier, duschte und rasierte mich sogar, trank mein 16€-Finisherbier und endlich war wieder Zeit für ein Telefonat.

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Fazit:

Die Tor des Geants war für mich eine absolute Grenzerfahrung, Adventure-Trail trifft voll und ganz zu. Die atemberaubende Landschaft, die Berge, die Täler, Bergdörfer, die Kargheit über 2500m, die Geröll- und Kletterpassagen, die üppig ausgestatteten Verpflegungsstellen, all das macht die Tor zu einem Gesamtkunstwerk. Die Selbsteinschätzung, wann man schlafen sollte, wann man weiterläuft, welchen Abschnitt zu welcher Tageszeit, die Einteilung des Weges macht die Tor zu einem Austesten der körperlichen Fähigkeiten und Grenzen. Die gesamte Organisation ist strukturiert und vollkommen durchdacht, es hakt an keiner Ecke. Chapeau, Tor-Team! Und ich bin saustolz, das Ding nach Hause gebracht zu haben.

Danke Dir Maty, Danke an Alle, die mich auf den verschiedensten Kanälen unterstützt haben, Ihr wart grandios! Mille Grazie, Euer Tor-wart Ulf Kühne