Der Zugspitzultratrail 2015 – Schlechtes Wetter kann uns Nichts…


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In meiner Timeline fällt in den letzten Tagen zunehmend oft das Zauberwort ZUT, und siehe da: Tatsächlich, der Countdown zu diesem einmaligen Trailevent, bei dem ich vor 2 Jahren meine Liebe zum Rennen in den Bergen entdeckt habe, läuft schon wieder. Und unvermittelt habe ich grinsend ein Bild vor meinen Augen: Ich schrubbe und schrubbe meine Salomons in der Badewanne und sehe dem Schlamm zu, wie er in dem Abfluss verschwindet. Und während sich Schweisstropfen auf meiner Stirn bilden, da die sommerlichen Temperaturen die Dachgeschosswohnung in eine Sauna verwandeln, denke ich an das Trail-Highlight des deutschen Sommers 2015 Zugspitzultratrail zurück und kann nicht glauben, dass wir uns in einem Winterklima wiederfanden, in dem zwei Kleiderschichten kaum ausreichten.

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Aber zum Anfang: Weiterlesen

UTLW Klappe die Zweite – weil`s so schön war, gleich nochmal

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Wir haben gezögert, wie man nur zögern kann. Eigentlich bis zur letzten Sekunde.

Die Startplätze für die 2. Austragung des Ultra Trails Lamer Winkel hatten wir längst sicher, doch an Start war eigentlich nicht zu denken. Ulf´s verletzte Ferse nahm ihm schon den Rennsteig  übel und schrie nach einer Laufpause, um bis zum Tor des Geants zu genesen, dazu kam eine kleine Männergrippe. Ich hingegen hatte eine Laufpause vorzuweisen, und keine kurze. Die Gräser und Pollen liessen mich diesen Frühling schnaufen und husten, an solides Training oder gar lange Läufe war nicht zu denken. Beste Voraussetzungen eigentlich, einen Ultra NICHT anzutreten. Weiterlesen

Achtsamkeit. Zwischendurch und nur mal so.

 

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Du rennst im Wald auf Deinem Trail, spürst Nichts anderes als die kalte Luft, siehst Nichts anderes als die Bäume um Dich herum, die Dir den Weg zeigen. Du siehst all die verschiedenen, einzigartigen Bäume. Manche sind gebogen und schief, manche kerzengerade, fast stoisch. Manche sind kahl und knorrig, manche blühend und immergrün. Manche sind was-auch-immer. 

Du schaust auf diese Bäume und erlaubst ihnen, Alles zu sein. Du siehst und verstehst irgendwie, warum sie so sind. Du verstehst, dass der eine nicht genug Licht bekommt, und sich deshalb in diese Richtung dreht. Du  verstehst es und wirst nicht emotional deswegen, Du lässt ihn so sein, wie er ist. Du erlaubst es, lässt es zu. Du bist so dankbar, dass es diese Bäume gibt, jeder besonders auf seine Weise. 

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Und dann verlässt Du den Trail und es kommt wieder der Moment, an dem Du auf Menschen triffst. In dieser Sekunde verlierst Du das Alles wieder. Ununterbrochen sagst Du Dir: „Der ist zu….., sie ist so…..!“ Dein wertender, verurteilender Geist ist wieder da.

Wir könnten üben, Menschen im Geist in Bäume zu verwandeln. Was bedeutet, ihre Existenz einfach zu schätzen. Und ihre Art, einfach so, wie sie sind.

(inspiriert von Ram Das)

Habt eine wundervolle Woche!!! Eure Maty

 

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Treppenliebe – oder: Ein Engel in letzter Sekunde

Ich ziehe meinen Koffer schweigend über das Vorfeld zum Flugzeug, um mich herum plappern meine Kolleginnen fröhlich über ihre Vorhaben und Pläne in San Francisco, und ich bin in Gedanken so gar nicht bei der Sache. Noch vor keinen 14 Stunden pellte ich mich aus meinen stinkenden Laufklamotten, rutschte in die Badewanne und dachte immer und immer wieder über die verrücktesten letzten 24 Stunden seit langem nach:

Dass wir zu diesem Treppenmarathon in Radebeul wollten, wussten wir schon lange. Meine Trailschwestern und ich liebten verrückte, besondere Veranstaltungen. Und dieser Mount Everest Treppenmarathon war DEFINITIV verrückt und noch mehr besonders: Inmitten von Weinbergen ragt diese Spitzhaustreppe ganz unschuldig hervor und lockt zahlreiche Touristen nach Radebeul. Doch wer es mit ihr aufnimmt, kommt nach kurzem ordentlich ins Schnaufen. 397 Stufen bis zum Gipfel und halbem Herzstillstand.FullSizeRender-4

Nun machen zufällig 100 Treppenrunden 8848 Höhenmeter aus (eben die des Mount Everest) und nebenbei zwei Marathons. Und jetzt kommen die Verrückten ins Spiel. Jedes Jahr wagen es einige Ultraläufer, diesen Treppenmarathon zu bezwingen. Und das wollten wir auch! Nicht allein, dazu fehlte uns noch der Mut, aber als Team. Denn auch als Dreierseilschaft darf man sich für diesen Treppenlauf bewerben. Dann teilt man sich die Distanz, läuft das Ganze eben flotter, denn hier sind nicht 24 Stunden der Rahmen, sondern nur 16, danach muss Schluss sein.

Das fehlende Training aufgrund mangelnder Treppen am Wohnort machten Berenice, Oriane und ich   in den Wochen vor dem April wett mit Enthusiasmus, Vorfreude und großer Lust, sich ordentlich zu quälen. Unser Plan war es, unser Bestes zu geben, den Favoritinnen nicht allzu sehr im Weg zu stehen und nebenbei unser Lachen nicht zu verlieren. Unseren Teamnamen (3 Engel für die Treppe) haben wir uns nicht ausgedacht, sondern ausdenken lassen. Nahmen ihn aber als gutes Omen.IMG_6174 Unsere Team-Tanktops lagen bedruckt bereit (Tanktops. Ha. Ha. Ha.) und die Taschen gepackt. Samstag früh sollte es losgehen.

Und dann kam der Samstag Morgen. Und der Anruf von Oriane.

Eine Erkältung hatte sie niedergestreckt und ein Start war nicht mehr möglich. Wir waren zunächst fassungslos, platt, dann panisch. Berenice, die die ganze Nacht im Stau gestanden hatte und erst gegen Morgengrauen in Radebeul angekommen war, rieb sich ungläubig die Augen. Und ich packte stoisch weiter zusammen, fest entschlossen, dennoch loszufahren, auch wenn wir wussten, dass unser Start gestorben war. Natürlich telefonierten wir sofort alle uns bekannten und verrückten Trailfrauen zusammen, von denen wir wussten, sie seien spontan. Aber natürlich: Wer war denn bitte SO spontan? Es fand sich einfach kein Ersatz. Ich wollte mich schon damit abfinden, dass wir vor Ort dann halt unsere Yvi anfeuern würden, die den Treppenmarathon alleine laufen würde, packte meine Sachen geknickt und lustlos zusammen, als mir noch eine letzte Idee kam. Da war noch Hannah, eine Marathonläuferin, die mit ihrem Mann zusammen für die Lultras in der Welt herumrennt, bloggt und nebenbei total sympathisch ist. Sie wollte eigentlich beim Treppenmarathon nachts an der Verpflegungsstation aushelfen, also war sie sowieso vor Ort. Ich fasste kurz zusammen: Noch nie an der Treppe trainiert, aber vor kurzem einen Marathon gelaufen. Sie war immer in Bewegung, allerdings war sie bis vor kurzem verletzt. Es war sicherlich sinnlos. Aber meine letzte Chance:

FullSizeRender-3Stille. Ein paar Minuten. Ich wusste, Hannah überlegte. Fragte ihren Carsten um Rat. Aber nicht lange. Keine fünf Minuten später kam ihre Antwort: „Maty, wenn Du treppeln möchtest, ziehe ich das für Dich durch. Aber ich kann für Nichts garantieren. Ausser für meine Beisserqualitäten.“ JA!!!!!!!! JAAA! JAAAAA! Wir waren wieder komplett! Hannah, Dich hat der Himmel geschickt, die Engel konnten starten! IMG_6910

Wir waren so froh und schmissen unsere Renntaktik prompt um: Hannah musste irgendwie die 25 Runden schaffen, damit wir gewertet würden. Und so lautete unser Ziel jetzt: Jede läuft 25 Runden, der Rest war Kür. 100 Runden waren nicht mehr das Ziel, sondern Dabeisein, Durchziehen, Crewlove. Unsere Euphorie schlug wieder Saltos.

Bis zum Start.

Es war kurz vor Mitternacht, die Einzelstarter schon seit über sieben Stunden unterwegs, das Sportlerzelt füllte sich mit den 22 Dreierseilschaften, die Stimmung war eher ruhig, was ich der allgemeinen Müdigkeit zuschrieb. Bere zischte, wie cool sie es fand, dass hier kein Schaulaufen der Eitelkeiten stattfand. Die Ultras auf der Strecke waren die wahren Freaks und einfach entspannt. Das Briefing wurde von Ulf zügig und konzentriert durchgezogen, es konnte nun endlich losgehen. Berenice sollte als Erste starten, wir nahmen Hannah in unsere Mitte und waren bereit. IMG_6913

 

Runde 1: Der Schock.

Als Bere nach etwa sieben Minuten wieder zurück war und Hannah abklatschte, fragte ich sie sofort, wie es war. Sie war noch nie zuvor an der Spitzhaustreppe, wusste vorher also nicht, was sie erwartete. Und ihr Gesicht sprach Bände: „Anstrengend“, keuchte sie. Na super. Auch Hannah kam mit hochrotem Gesicht an. Dann war ich dran. Und obwohl ich schon einige Male die Treppe rauf- und runtergelaufen bin, bin ich sie noch nie gerannt. Sie nahm einfach kein Ende. Hinab war vollste Konzentration gefragt, da die Laternen Schatten auf die Stufen warfen, hinauf hätte ich gern am Sani-Zelt Halt gemacht. Mein Puls raste, die Herzfrequenz schwebte über Maximum, und überhaupt, was sollte diese letzte Steigung zum Ziel hinauf? Sonst rannte ich sie doch immer? Wie gern wäre ich diese jetzt gekrochen. Beissen, Maty! Ich fühlte mich wie am Ende eines 5km-Laufs. Aber es sollten noch zig folgen?! Ulf bestätigte mir besorgt mein frustriertes Gesicht.

Runde 2-6: Krass. Der Spass wollte sich nicht so recht einstellen. Es war ein einziges Intervalltraining, und die Pausen dazwischen reichten gerade einmal, um durchzuschnaufen, etwas zu essen und auszukühlen. Dann sollte es schon wieder rausgehen aus dem Zelt zum Startblock. Wo waren die strahlenden Engel, die mit Spass über die Runden fliegen wollten? Keine Ahnung, nicht in Radebeul.

Runde 7-12: Na endlich, wir fanden unseren Rhythmus. Es ging eben nicht ganz so turboschnell wie bei den anderen Freaks, aber wir gewöhnten uns an den Schmerz der Steigung, irgendwann gingen die 8 Minuten rum. Einfach von Runde zu Runde hangeln. Bloss nicht nachdenken über die nächsten 13 Stunden.

Runde 13-30: Regen.IMG_6764

Mist. Er wurde vorhergesagt, und Alle rechneten mit nassem Wetter, aber dass es so in Kübeln giessen sollte, ahnte niemand. Eine Treppenrunde reichte vollkommen, um komplett durchnässt zu sein. Keine Regenjacke hielt der Nässe stand und Umziehen war keine Option. Wer hatte schon 30 Komplettgarnituren dabei? Uns blieb Nichts übrig als hinauszurennen, triefend zurückzukommen, auszukühlen und weiterzumachen.

Das Sportlerzelt, welches Alle für die Pausen nutzen, wurde muffig und feucht. Keine Sachen konnten so recht trocknen und zudem bildeten sich kleine Wasserläufe ihren Weg durch das Zelt, die in Kürze alle Taschen und Schuhe durchnässten. Was für eine mentale Schule. Aber: Niemanden störte es wirklich und wir hatten Spass. Berenice liebte sogar diesen Regen, Tatsache!

Runde 31-40: Das Verpflegungszelt

Trotz der späten Stunde, der Kälte, Nässe, aller Mimimi`s war die Stimmung ungebrochen gut. Woran lag es? Sicherlich können Ultraläufer sich gut quälen, dies ist ein Charaktermerkmal, das ich an ihnen sehr schätze. Doch hier war noch einiges anders: Die gesamte Veranstaltung hatte so viel Herz. Nichts war gekünstelt, Vieles improvisiert, Alles authentisch. Im Verpflegungszelt standen in den nächtlichen Stunden zig Freiwillige, die mit Herzblut und Fleiß herrliche Brote schmierten, Kuchen anschnitten, Tee kochten. Das Buffet war genial, die aufmunternden Worte dazwischen so wertvoll. Danke dafür! Essen, Trinken, Lachen, weiter ging es…

Runde 41-60: Es wurde endlich hell! Die Vögel kündigten den Morgengrauen an, und mit dem Tageslicht kamen neue Kräfte zurück. Noch in Runde 30 spürte ich ein deutliches mentales Tief in unserem Team und ich zweifelte kurz, ob wir es schaffen würden. Doch der Morgen mobilisierte wieder unsere Kräfte. Der Regen ließ nach, wir zogen trockene Sachen an, und wir konnten weiterlaufen. Inzwischen waren wir bald 10 Stunden in Bewegung.IMG_6911

Runde 61: Überraschung! Irgendjemand sagte uns, dass wir auf dem Dritten Platz bei den Frauen lagen, die vierte Damenmannschaft uns nicht mehr einholen könne. Wir schauten uns ungläubig an. Damit haben wir nicht gerechnet! Treppchen? Niemals! Etwa doch? Genial.

Runde 62-75: Die Oberschenkel fühlten sich an wie Gummi, die Treppe war jedes Mal länger (Ulf, Du hast doch Stufen hinzugefügt!), und dennoch war klar: Hannah würde locker über die 25 Runden kommen, und wir auch! Diese Nacht würden wir Siegerinnen sein, Zeit egal, der Crewgedanke ließ die Engel doch noch schweben. Halleluja!IMG_6865Runde 76-90: Krisensitzung. Wir haben unser gesetztes Ziel erreicht, wieviel mehr war drin? 5 Runden für jede von uns auf jeden Fall, sagten wir im Chor. Auch wenn es weh tat, aber wir waren im Flow, hatten diesen Zustand erreicht, an dem es zwar weh tat, es uns aber Nichts mehr ausmachte, der Geist nicht mehr rebellierte, der Körper einfach folgte. Bere war die Rakete von uns. Sie zog Runde für Runde gleichmäßig durch und strahlte uns immer im Zelt an, wir folgten ihr einfach. So ging Teamspirit.IMG_6863-1

Wenn man mich fragt, was ich am Ultralaufen und an Ultraläufern so liebe, bewundere, antworte ich jedes Mal: Die Überschreitung der eigenen Grenzen, das Vermögen, den rebellierenden Körper zu mobilisieren, die persönliche Krise auszuharren, sie wahrzunehmen, aber nicht zu werten. Sie geht vorbei, der Körper macht weiter. Nach jedem Tief kommt ein Hoch, man muss nur geduldig sein. Die Yogis atmen sich durch eine Krise, sie atmen einfach weiter, werten nicht, haben Geduld. Ein Ultraläufer tut Nichts anderes, er läuft einfach weiter, oder er geht, bis es wieder läuft. Im Ultralaufen, im Treppensteigen, so auch im Leben.

Und so liefen wir unsere 90 Runden zusammen. Dann zögerten wir noch ein letztes Mal: Nur noch 10 Runden, und wir hatten 90 Minuten Zeit!? Sollten wir? Noch einmal Gas geben, mobilisieren? Wir grinsten. Keine zweifelte, dass wir es nicht durchziehen konnten. Doch wir waren so dankbar für diese Nacht: Hannah hat 30 Runden durchgezogen, und sie verdiente die Medaille für die spontanste Aktion des Rennens. Berenice und ich waren unglaublich dankbar und happy, dass wir überhaupt starten durften. Auf uns warteten mehrere Stunden Autofahrt, jede von uns musste noch am gleichen Abend heim. Also war es nur vernünftig: Aus – vorbei- wir waren fertig. IMG_6912

Dieser METM hatte es uns angetan. Nicht nur uns als Team und Mädelscrew. Ulf, der zwischen all seinem Orga-Stress immer wieder bei uns blieb, mir die Babydecke reichte <3, Du warst der Beste! All die motivierenden Worte und der aufmunternde Blickkontakt zwischen den Läufern, von Konkurrenz keine Spur, so cool! Die Stimmung der Helfer, Brötchenschmierer, aller Beteiligten, grandios! Carsten, Du hast sicher nicht geahnt, was deine Hannah leisten kann, oder? Conni, Kersten, Gabi, Matze, Katja, Anja, Conny, Peter, Uwe: Danke für Eure Motivation!!!

Wir kommen wieder. Weil wir glauben, dass dieser Underdog METM etwas Besonderes ist.

 

Aber vorher noch: Die Siegerehruuuuuuung!!!!

IMG_6873-1Die drei Engel vermelden: Übermüdet, geschafft, aber glücklich wie schon lange nicht mehr.

WE LOVE #METM!!

Hochachtungsvoll – Deine Füsse

Lieber Läufer,

oder wie sollen wir Dich nennen: Ultraläufer, Trailläufer, Cityläufer, Asphaltläufer..?Du läufst oft, Laufen ist Deine Leidenschaft, Dein Hobby, Dein Tagesabo.

Du bist stolz, wenn Du mal schneller bist, als letzten Monat, wenn Du Deine Medaillen anschaust oder mit Deinen Lauffreunden über die beste Sprengung diskutierst. Du gibst Unmengen von Geld für Laufklamotten, Stirnlampen, Stöcke, Buffs, Socken, Söckchen, Kompressionstights, Laufanalysen, Trainingspläne, Bücher, Zeitschriften und Marathonfotos aus und postest ständig diese schrecklichen „schaut-her-mein-cooler-Zieleinlauf-Fotos“, wobei wir beide wissen, dass Du die restlichen 90 Prozent des Laufs vor Dich hinstarrst wie ein Hamster im Laufrad. Weiterlesen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Enlight1Neulich abends sortierte ich mal wieder Bilder aus und entrümpelte meinen überquellenden Foto- und Erinnerungsordner, da er sich so langsam nicht mehr schließen ließ. Ich neige dazu, alle Kleinigkeiten und Schnipsel, die mich an Wettkämpfe, Läufe und Reisen erinnern, aufzuheben, bis es eben nicht mehr geht und der Papiercontainer ruft.

Bis mir das Foto von meinem ersten Marathon in die Hände fiel. Und auch das Zielfoto des allerersten Halben sowie meines ersten Ultralaufs. Diese Erinnerungen sind so kostbar und wichtig, einmalig und motivierend, dass ich sie immer aufheben werde. Und ich kenne kaum Personen, die keine ach, so teuer erstandenen Bilder ihres ersten großen Wettkampfs in der Schublade haben. Weiterlesen

Dieses Ultratrail-Dings.

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Ein gemütlicher Abend Anfang Dezember. Ich plante seit Tagen das kommende Laufjahr. Kritzelte, tippte, checkte Anmeldefristen, verglich, hibbelte herum. Und dann das:

„Du willst einfach mehr, als Du kannst. Die Ultras dieses Jahr hast Du doch nur mit Ach und Krach geschafft. Wie willst Du dann all diese weiteren Rennen schaffen…?“

Stille.

Oh! Diese Worte, und das aus dem Hals des Menschen, der mich sonst immer so motivierte! Der Kloß in meinem Hals wuchs, ich spürte trotzige Tränen aufsteigen und versuchte, sie zu unterdrücken. Tatsächlich fühlte ich mich wie ein kleines Kind, dem das Lieblingsspielzeug weggenommen wurde.

Dieses Ultratrail-Dings. Es beschäftigt und begeistert mich 365 Tage im Jahr. Ich lese, sauge auf, kommentiere, diskutiere, plane. Ich träume, sortiere Bilder, trage Rennen in den Kalender, nur um nachts die Resultate zu lesen und meinen Favoriten die Daumen zu drücken. Hat es Emily geschafft, oder doch die fantastische Mira Rai? Schafft es, Scott Jurek den Rekord zu knacken, und wie ist das Wetter beim Tor des Geants? Muss das Rennen abgebrochen werden? Für manche ist es die Bundesliga, für mich die Ultralauferei. Es ist meine Leidenschaft. Und dass ich da auch mitlaufen will, muss, ist fast schon selbstverständlich.

Sicher ist so ein Ultra-Lauf mit mehreren tausend Höhenmetern kein flacher Stadtmarathon. Ich war im Bayrischen Wald beim UTLW 9 Stunden unterwegs, beim Zugspitz-Supertrail sogar 10. Und damit wird klar, dass ich nicht zu den Granaten gehöre, die jemals Treppchenluft schnuppern werden. Aber darum geht es hier auch nicht.

Lizzy Hawker sagte in ihrem Buch „Runner“ ganz klar, wie ich es empfinde:

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Es geht nicht um Medaillen oder Podiumsplätze, es geht um die Emotionen, die man nur versteht, wenn man an solchen stundenlangen Rennen teilgenommen hat: Tränen und Lachen liegen dicht beieinander  (das hat mein armer Teampartner schon zu spüren bekommen), Angst, Sorge, Zuversicht, Stolz. Und da geht es den Schnellsten genauso wie den Langsamsten.

All die Gänsehautmomente, die ich während eines Ultralaufs erleben darf: Die Aufregung vor dem Start, der Zusammenhalt unter den Läufern, die Landschaft und schier unberechenbare Natur, die sich in den Bergen von einem auf den anderen Moment verändert, die eigenen Krisen, die man unterwegs erlebt und dann wieder meistert. All das sind die Gründe, warum ich diese Herausforderung immer und immer wieder suchen werde.

UTMB, Transalpine, Hardrock, Western States sind Träume, die in weiter Ferne liegen, aber auch nicht unrealistisch sein müssen. Der Weg, mich langsam an die 100km oder gar Meilen heranzutasten, ist das Ziel. Und genau auf diesen freue ich mich unglaublich.

Scheitern erlaubt, Aufgeben nicht.

Ich kann es kaum erwarten, mit mir nahen Menschen über die Trails dieser Welt zu springen, jeden Moment aufzusaugen (die Cut-Off-Zeiten natürlich nie aus den Augen verlierend😉  ), die eigenen Grenzen zu spüren und zu überschreiten.

Ich möchte 2016 den Lamen Winkel (weil’s so schön war) noch einmal laufen, über die Zugspitze schlittern, die Kanadischen Wälder pflügen, oder -so der Losgott will- im heiligen Chamonix nach der Kinderdistanz OCC glücklich einlaufen… Und Ende nächsten Jahres wieder so im Planmodus sitzen, mit Teepott und vielen Notizzetteln in der Hand und auf die Frage, wie ich denn bitte DIESE  nächsten Herausforderungen meistern will, antworten:

Keine Ahnung, ich tu’s einfach. Bist Du wieder dabei?❤

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Was plant Ihr nächstes Jahr? Gibt es Herausforderungen, die Euch nicht loslassen, die Euch aber Angst machen? Dann sind sie genau richtig!!! Dann los!